|40 II. Die Landarbeiter in Knechtschaft und Freiheit.
nur beschränken will, der versperrt dem Arbeiter den natürlichen Aus-weg aus der Not. Dazu kann der Staat die Hand nicht bieten. —
Anders als mit den Arbeiterkolonien steht es mit den Bauernkolonien.In dieser Beziehung hat die Ansiedelungskommission weit mehr Glückgehabt, ja man darf sagen, der Erfolg war so vollkommen wie nur mög-lich, da ja einzelne Mißgriffe schlechterdings unvermeidlich sind. DieKommission hat aus dem Süden und Westen Deutschlands Leutekommen lassen, die vom Verkauf ihrer heimatlichen Stellen einiges Geldmitbrachten. Man hat dann das Land der aufgekauften Güter in Bauern-stellen mittleren Umfanges zerlegt, gewöhnlich mit Vermeidung der Ge-mengelage, die Hufen reihenweise nebeneinander; man hat für übrigbleibendes Gemeindeland gesorgt, hat Kirche und Schule nicht ver-gessen, man hat die nötigsten Gebäude billig aufgebaut und das Landschon vor Ankunft der Neuansiedler vorläufig für sie bestellt; die Leutekamen an und faßten Wurzel. Wie immer, wo eine Kolonisation gelingt,haben sie dann nach Hause geschrieben, daß es ihnen gut gehe, und dieseBriefe haben Nachschub angelockt. Mit anderen Worten: die Arbeiter-kolonisation mißlingt, aber die Bauernkolonisation gelingt.
Und zwar gelingt sie nicht nur auf dem Boden, den die Kommissionaus den Händen polnischer Besitzer erworben hat. Sehr häufig wird vonKittergutsbesitzern auf privatem Wege dasselbe getan: viele finden esvorteilhaft, freiwillig Bauernstellen auf ihrem Gutsland zu errichten mitRückbehaltung eines Restgutes. Denn es ist in der Gegenwart eine Kon-junktur, die den kleineren Betrieb vorteilhafter macht als den großen.Hierbei greift nun besonders das Rentengutsgesetz erleichternd ein, indemder neue Bauer geringere Anzahlungen macht und allerdings Renten aufsich nimmt, aber nicht Schuldzinsen an berufsmäßige Geldverleiher.
„Alle neueren Untersuchungen ergeben, daß bis vor kurzem die tech-nische Leistungsfähigkeit der Bauernwirtschaft weit unterschätzt war.“„Die Ackerbauschulen, die Wanderlehrer, die landwirtschaftlichenVereine, vor allem aber das Beispiel vieler gut geleiteter Großbetriebeund die erfreuliche Entwicklung einzelner Zweige des Genossenschafts-wesens, namentlich die fabrikmäßig geleiteten Sammelmolkereien habenzusammengewirkt, um den mittleren Betrieb auf eine sehr viel höhereStufe zu heben.“ So lauten die Berichte (Bd. 56, S. 6g). Man atmetförmlich auf, wenn man hört, daß die Bauern trotz ihrer Mittelbetriebemoderne Menschen geworden sind.
Sehr lehrreich ist ein Beispiel aus dem Kreise Kolberg-Körlin. Dort