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Einführung in einige Hauptgebiete der Nationalökonomie : siebenundzwanzig Beiträge zur Sozialwissenschaft / von Georg Friedrich Knapp
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III. Grundherrschaft und Rittergut.

läufig ungelöst. So kommt Österreich nach der napoleonischen Zeit völligin die Hinterhand. Sein Despotismus verliert alle josephinische Bei-mischung; man kann ihn nicht mehr aufgeklärt nennen. Vom Jahrei8i 5 an, nach dem Wiener Kongreß, entscheidet es sich aber, welcherStaat von der öffentlichen Meinung als modern anerkannt werde. Trotz-dem, daß hier wie dort das parlamentarische Element noch fehlt, schiennun Preußen von einem Schimmer der Verjüngung umglänzt; denn esfaßte in der inneren Politik die wirtschaftlichen Aufgaben der Neuzeitkräftig an; Österreich dagegen stand ohne diese Verklärung da und warin Bauernsachen sogar veraltet.

Nun kam das Jahr i8/|8; in beiden Staaten wird geerntet, was gesätwar.

In Preußen, wo die größeren Bauern in der Hauptsache bereits re-guliert sind, ist nur noch für einen unbedeutenden Rest der kleinen zusorgen, nämlich für diejenigen, die nicht in der Zwischenzeit zu Ar-beitern geworden waren. Das war vergleichsweise eine Kleinigkeit, undohne große Erschütterung wurde es durch die Gesetzgebung von i85onachgeholt; auch der Rest von kleinen Bauern wurde nun zu fronfreienEigentümern gemacht; und dem längst gesättigten Gutsherrn wurdedabei nicht ernstlich wehe getan. So notwendig dieser Nachtrag war,so ist er doch statistisch von geringer Bedeutung und war durchaus nichtimstande, die Gutsbesitzer tiefer aufzuregen; sie fühlten sich nach wievor als Stützen des Thrones und des Altars.

In Österreich dagegen war der schwierigste Teil der Befreiung vonvorn zu beginnen: Fronabschaffung und Eigentumsverleihung tauchteni848 als allgemeine Forderung in den Ländern der böhmischen Kroneauf. Während zugleich tausend andere Reformgedanken sich an allenEcken erheben und mißvergnügte Nationalitäten sich bewaffnen, lodertauch der Haß gegen die sogenannte Feudalität empor. Damals konnteder Abgeordnete Iiudlich fast als Retter des Vaterlandes erscheinen,als er auf den Schaden des unerblichen Besitzes und auf die Schande derFronen hinwies. Der ganze Reichstag schäumte auf. Was wollte die Re-gierung des konstitutionellen Kaisers Ferdinand tun? Sie mußte nun inihrer höchsten Verlegenheit handeln, um den Liberalismus durch Be-friedigung seiner Forderungen zu entwaffnen. Also vollzog man nun soschnell und so gründlich wie möglich die Reform der gutsherrlich-bäuerlichen Verhältnisse; man führte die Grundentlaslung und die Eigen-tumsverleihung um jeden Preis durch, mit möglichster Rücksicht auf dieBauern, mit allergeringster Schonung des Gutsherrn.