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III. Grundherrschaft und Rittergut.
tigungen beifügt. Bis dahin werden wir die Übersichtskarte, die am An-fang des beigegebenen Atlanten steht, als maßgebend annehmen, undselbst wenn einzelnes hinzukommen sollte, wird jeder Kenner vonMeitzens Grenzenziehung reden.
Nicht ganz so „streitfrei“, um sein Lieblingswort hier zu gebrauchen,werden die Anschauungen Meitzens über die Uranfänge unserer Land-wirtschaft bleiben. Aber das ist nicht seine Schuld. Sobald man über dasBeweisbare hinausgeht, fangen die persönlichen Neigungen, die Weltan-schauung, die Individualität an, sich hineinzumischen. Man möchte fastzweifeln, ob hier Einigung erreichbar sei. Immerhin versuche ichwenigstens zu sagen, worin ich abweiche, um auf diese Weise ungefährdie Linie zu ziehen, wo das Bewiesene auf hört und die Freiheit desMeinens fortbesteht.
Wer ein Bekenntnis darüber ablegt, wie er sich die Uranfänge unsererSeßhaftigkeit und unseres Ackerbaues denkt, der wird vorsichtigerweisemancherlei unterscheiden. Die Stämme, aus deren letzter Mischungwährend der sogenannten Völkerwanderung schließlich die Deutschenhervorgegangen sind, kamen aus fernen Gegenden hergewandert — abersie waren deshalb nicht Nomaden. Es sind vielmehr Völker gewesen,die vor ihrem Aufbruch wohl mit dem Ackerbau bekannt waren,die nur aus irgendeiner Not neue Gebiete zum Wohnen aufsuchten.Der wandernde, gleichsam Wohnung suchende Stamm, dem der Acker-bau längst geläufig ist, wird dadurch nicht zur nomadischen Horde,die in der Hauptsache nur Viehzucht betreibt.
Hält man dies fest, so hat man es also für die Anfänge der Geschichte— soweit sie sich auf deutschem Boden abspielt — nicht mit der Fragezu tun, wie der Nomade zum Ackerbauer wird, sondern mit der ganzanderen Frage, wie wandernde Stämme von Ackerbauern sich auf neuemGebiete niederlassen. Beide Fragen laufen mitunter ein wenig durchein-ander 2 ; man gewinnt den Eindruck, als wenn beides auf deutschemBoden, und zwar gleichzeitig, stattgefunden hätte.
Über den Uranfang des Ackerbaues hat Hanssen bekanntlich mit ge-wohnter Meisterschaft gehandelt. Es gab, nach ihm, sehr früh Land-stücke, die, gering an Umfang, aus dem Weidelande, vielleicht durchUmzäunung, ausgesondert wurden. Auf diesen Stücken — nennen wir sieSchläge — wurde Getreide gebaut, nur wenig, als willkommene Er-gänzung der von Herden stammenden Ernährung. Das Getreide gedeiht
2 Zum Beispiel Bd. II, S. 89 unten: „Die Deutschen, welche zuerst usw.“