Druckschrift 
Einführung in einige Hauptgebiete der Nationalökonomie : siebenundzwanzig Beiträge zur Sozialwissenschaft / von Georg Friedrich Knapp
Seite
207
Einzelbild herunterladen
 

Siedelung und Agrarwesen nach August Meitzen .

207

nur eine kurze Reihe von Jahren am gleichen Ort, und es muß, nach Er-schöpfung dieses Bodens, irgendwo anders ein neuer Schlag aufgetanwerden, wenn Getreide weiter gebaut werden soll. Einen Feldbau dieserArt, mit zeitweilig benützten Schlägen, deren Lage noch ganz unregel-mäßig in dem weiten Revier des Weideganges ist, nennt man bekanntlichwilde Feldgraswirtschaft. Dies wäre also notwendigerweise das erste Be-triebssystem.

Hierüber sind alle einig, obgleich keine Spur von Urkunde über dieseninnerasiatischen Vorgang auf uns gekommen ist. Hier redet gleichsamdie Natur der Sache.

Nun denke ich mir, daß unsere Wanderslämme, als sie den Bodendes jetzigen Deutschlands erreichten, diese Stufe des Ackerbaues jeden-falls schon kannten. Wie werden sie sich also niedergelassen haben?Offenbar unter Benutzung dieses Herkommens, mit Anpassung an dieÖrtlichkeiten.

Der große Stamm mußte in kleinere Gemeinden zerlegt und jeder Ge-meinde eine Gemarkung zugewiesen werden. Auch hierüber sind alleeinig.

Nun aber geht die Entwicklung auseinander. Wenn unsere Gemeindejeder Familie einen besonderen Ort zum Betrieb ihres Ackerbaues über-läßt, so entstehen Einzelhöfe, deren zusammenliegende Äcker das großeAllmendland der Gemeinde stellenweise unterbrechen. Eine andere Ent-wicklung wäre zum Beispiel diese: wenn derSchlag bei der wildenFeldgraswirtschaft aus gemeinsamer Rodung vieler entstand, so kanndies so geschehen sein, daß der Schlag in Streifen geteilt und jedemRodenden ein Streifen überlassen wurde. In diesem Falle war der Schlagzunächst eine Betriebseinteilung, zugleich aber ein Gewann, das heißtein Abschnitt auf der Flur, aus parallelen Äckern gebildet; mithin einetopographische Einteilung, jedesmal eine Staffel der Rodung verratend.

Wo in dieser Weise gerodet wird, hat man in dem Gewann gleichsamdie Zelle vor sich, aus deren häufiger Wiederholung immer eine Zellenach der anderen sich nach und nach die Flur bildet. Das Gewannist für die Flur, was der Baustein für das Haus, was die Zelle für dieWabe ist.

Hierdurch entsteht in ungezwungenster Weise, ganz von selbst, Ge-mengelage der Äcker für den einzelnen Besitzer: er hat Äcker in ver-schiedenen Gewannen 3 .

3 Vgl.G. Hanssen , Agrarhistorische Abhandlungen, Bd. II (1884), S. 198 unten.