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Einführung in einige Hauptgebiete der Nationalökonomie : siebenundzwanzig Beiträge zur Sozialwissenschaft / von Georg Friedrich Knapp
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III. Grundlierrsehaft und Rittergut.

Ist einmal dies die Art des Anbaues gewesen, ehe man sich aufdeutschem Boden niederließ, dann wird sie auch bei der Niederlassungkünstlich oder vielmehr bewußt hergestellt werden.

Aber diese Flureinteilung kann niemals bewußterweise gewähltwerden, ohne irgendwo unbewußt entstanden zu sein.

Es ist, nach mir, ein Fehler Meitzens, den er aber mit vielen anderenForschern und leider auch mit Hanssen teilt, daß er sich die Entstehungder Gemengelage mit Gewannen rationalistisch vorstellt.

Freilich, die bekannte rationalistische Vorstellung war wenigstenseine Art von Erklärung der so schwer begreiflichen Tatsache aberheute sollte man sich nicht mehr erlauben, was bei Olufsen und Hanssenein Fortschritt war. Die rationalistische Erklärung der Gemengelage mitGewannen lautet nun bekanntlich so:

Die Gemeinde hat eine Gemarkung; darin sondert sie die Flur ab undteilt dieselbe nach der Bodenbeschaffenheit in Stücke von Parallelo-grammform (Gewann); hierauf teilt man jedes Gewann in Streifen(Äcker) und weist nun jedem Bauer in jedem Gewann einen Acker an.

Es ist kein Zweifel, daß bei diesem Verfahren dieselbe Art von Ge-mengelage herauskommt. Es ist auch vollständig zuzugeben, daß dieGemarkung jüngerer Tochterdörfer so entstanden sein mag, nämlichmit bewußter Nachahmung der Zustände in den Mutterdörfern. Aber wirwollen ja nicht wissen, wie man diese Flureinteilung nachmacht, sondernwie man zuerst darauf verfiel! Und daß man auf diese Weise zu jenerGemengelage gelangt sein könne, ist rein unmöglich. Dazu hätte ein Gottgehört, der diese sinnreiche Art der Verteilung des Ackers den Menschenoffenbart hätte, wie ja die nordische Sage auch behauptet. (Und fastmit Recht; denn dem naiven Nachgeborenen erscheint die Anhäufungder Kultur, die er antrifft, die er aber nicht werden sieht, als ein fertigesGeschenk der Götter während doch die Götter zwar schenken, aber nieFertiges schenken.)

Hören wir vorher die Gründe der rationalistischen Erklärung. Wennman es so macht, sagt Olufsen , dann erhält jeder Bauer genau dieselbeArt von Boden zur Bebauung, denn er ist ja an jedem Gewann mit einemAcker beteiligt. Also entstehen Bauerngüter, bei denen jeder Streit wegender Güte des Bodens fortfällt. Ferner sind alle Gefahren des Ackerbaues Überschwemmung, Hagelschlag, ja sogar der Schneckenfraß wirdhier sorgfältig mitgenannt von vornherein ausgeglichen. Alldies ist unleugbar der Fall. Aber es werden hier nur die Folgen jener Ge-