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IV. Geldtheorie.
Wie verhält sich nun der Metallist zu dieser Erscheinung? Er leugnetsie nicht, denn das wäre eine handgreifliche Beschränktheit. Vielmehrsagt der Metallist : das notale Geld beruht auf Kredit; es ist Kreditgeld;und dies bedeutet: es muß eine Einrichtung im Staate bestehen, welchedem Inhaber des notalen Geldes gestattet, dafür bares Geld auf Wunschzu erhalten; das notale Geld besteht also für den Metallisten aus An-weisungen auf bares Geld. Und in der Tat: bei uns kann man Silber-münzen, Kupfermünzen, Nickelmünzen amtlich umwechseln lassen inGoldgeld; die Reichsbank, als Zentralstelle für die Verwaltung desGeldwesens, besorgt diese Umwechselung von Amts wegen. Ebenso löstsie die Reichskassenscheine und die Banknoten „bar“ ein.
Daraus ergibt sich: Die beiden Stichwörter Metall und Kredit sindallenfalls ausreichend zur Erklärung unserer heutigen deutschen Geld-verfassung; entweder ist das Geld bar: dann genügt es, die Werteinheitmetallistisch zu definieren; oder das Geld ist notal: dann ist es eine An-weisung auf bares Geld. Andere Geldarten kommen nicht vor. Alsoreicht die Theorie der Metallisten aus; man kann also sagen: die Wert-einheit Mark ist jetzt der i3g5. Teil eines Pfundes feinen Goldes; undin der früheren Verfassung, vor 1871, war es ähnlich: die Wertein-heit, genannt Taler, war der 3o. Teil eines Pfundes feinen Silbers.Denn bekanntlich wird jetzt das Pfund Gold zu i3g5 Mark aus-.gebracht; und früher wurde das Pfund Silber zu 3o Talern ausgebracht.In beiden Fällen ist also die jeweilige Werteinheit als eine bestimmteMenge Edelmetalls definierbar.
Soweit reicht die Theorie der Metallisten; sie ist so klar, daß jedesKind sie versteht; sie scheint sogar selbstverständlich, so sehr, daß vieleoder alle Gelehrte überrascht sind, dafür den Namen Metallismus er-tönen zu hören: dies, meinen sie, ist ja nicht eine Theorie neben anderen,sondern es ist ganz einfach die Theorie des Geldes; überrascht rufensie aus: Metallisten sind wir natürlich immer gewesen, aber was sollenwir denn sonst gewesen sein! Auch hast du ja freiwillig eingeräümt,daß der Metallismus zur Not ausreicht, unsere Verfassung des Geldeszu erklären; also: Wozu der Lärm?
Aber laßt uns nur zu Worte kommen. Ihr Metallisten könnt unsereGeldverfassung erklären; unsere jetzige und auch unsere vorige. Eshandelt sich aber nicht um diese besonderen Fälle. Wir verlangen eineTheorie des Geldes für alle Verfassungen. Könnt ihr Metallisten alle