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Einführung in einige Hauptgebiete der Nationalökonomie : siebenundzwanzig Beiträge zur Sozialwissenschaft / von Georg Friedrich Knapp
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Die reehtshistorischen Grundlagen des Geldwesens.

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Gulden: ein Gulden ist seit i85g jedes Zahlungsmittel, welches derStaat als juristisch zulässig erklärt, um eine Schuld zu tilgen, welcheEnde i858 allerdings durch einen silbernen Gulden hätte getilgt werdenmüssen. Die Werteinheit war nominal, und es kam nicht auf den Metall-gehalt des Zahlungsmittels an; man durfte noch immer in Silberguldenzahlen, man konnte aber mit der gleichen Rechtswirkung auch in un-einlösbaren Papiergulden zahlen. Diese Verfassung ist also nicht er-klärbar auf metallistischer Grundlage, aber sie ist nicht an sich unerklär-bar: die Werteinheit war damals nominal; die üblichen Zahlungsmittelgewährten keine reale Befriedigung im Sinne des Metallisten; aber siegewährten eine zirkulatorische Befriedigung nach dem Grundsätze:Wiedu mir, so ich dir.

Man erwidere nicht, eine nur nominale Werteinheit sei unmöglich;damit wäre ja behauptet, daß die damalige Geldverfassung Österreichsunmöglich gewesen sei, während sie doch wirklich war. Eine nur nomi-nale Werteinheit ist erfahrungsmäßig als möglich erwiesen; wer siebedenklich findet, wer darin bedeutende Gefahren insbesondere für denauswärtigen Verkehr erkennt, der muß urteilen: die bloß nominaleWerteinheit ist zwar möglich, aber man eile, aus einem solchen Zustandeherauszukommen. Das ist eine Auffassung, die sich hören läßt.

Daraus ergibt sich nun, wie die einsichtigeren Metallisten meinen,eine Gabelung der Theorie; statt einer gibt es deren zwei; bei guter Geld-verfassung ist die Werteinheit metallistisch definierbar; bei jener ent-arteten Verfassung hingegen ist die Werteinheit nur nominal.

Dann aber gibt es keine einheitliche Theorie; denn die beiden Fälleschließen so scheint es einander aus; im ersten Falle wird durchÜbergabe von Metall bezahlt; im anderen Falle wird nur nominal be-zahlt; ein greller Gegensatz. Die Untersuchung ist also durch diese zwei-fache Lösung zu Ende. Es ist auch gar nichts Schwieriges dabei: alleEinteilungen sind leicht faßbar, solange sie ein einfaches Dilemma dar-bieten, wie zum Beispiel dieses: entweder Metallgehalt; oder kein Metall-gehalt. Angewendet auf unsere Untersuchung wären wir also zu demErgebnis gelangt: man zahlt in ordentlichen Staaten durch Übergabevon Metall, in unordentlichen Staaten aber nur nominal, also ohne Über-gabe von Metall.

Soll es aber eine einheitliche, nicht zweifache, Theorie des Geldes