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IV. Geldtheorie.
geben, so dürfen nicht etwa die schwierigen Fälle beiseite gesetzt werden,denn das wäre eine Feigheit der Theorie.
Sondern es muß nachweisbar sein, daß jenes Dilemma unrichtigist. Und es ist unrichtig, so sehr dies überraschen mag. Die staatlicheTheorie des Geldes kann in der Tat einheitlich sein, und zwar deshalb,weil jenes Dilemma nicht richtig gestellt ist.
Das glaubt uns niemand aufs erste Mal. „Die nur nominalen Zah-lungen in Österreich sind doch ganz gewiß Zahlungen ohne Übergabevon Metall.“ Dies gebe ich zu. „Und die Zahlungen in geordnetenLändern wie Deutschland sind doch ganz gewiß Zahlungen durch Über-gabe von Metall, also keine Nominalzahlungen.“ Das gebe ich nicht zu.
Ich behaupte vielmehr: dort wie hier ist jede Zahlung, vom Staateaus gesehen, also juristisch beurteilt, eine Nominalzahlung. Der Unter-schied ist nur der: in Österreich hatte man Nominalzahlung ohne Über-gabe von Metall, im Deutschen Reiche hat man Nominälzahlung mitÜbergabe von Metall.
Juristisch betrachtet ist überall, wo Geldverfassung ist, die Nominal-zahlung die letzte Grundlage; überall ist die Werteinheit nominal defi-niert; aber mitunter sind die Stücke, mit denen man zahlt, mit Metall-gehalt ausgestattet, mitunter sind sie es nicht. Der Metallgehalt ist alsojuristisch nicht wesentlich für den Vorgang der Zahlung. Ich leugnegar nicht die höchst wichtigen und von jeher erkannten Vorzüge desMetallgehaltes der Stücke, genauer: die ganz ungemein große Bedeutungder Barverfassung, insbesondere für den Verkehr mit dem Auslande.Aber wichtig sein für den wirtschaftlichen Verkehr ist etwas ganzanderes als wesentlich sein für die Rechtsverfassung. Und in diesemSinne sei es also gesagt: bei aller Geldverfassung ist die Werteinheitnominal; manchmal kommt Metallgehalt der Stücke vor, und manchmalfehlt er; das Dilemma öffnet sich also erst, wenn wir die Nominalitätder Werteinheit als gemeinsame obere Eigenschaft aller Geldver-fassungen anerkannt haben. Das ist der Grund, weshalb es eine einfache,gemeinsame Theorie des Geldes geben kann.
Die Unterscheidungen sind aber etwas feiner als man erwartet: eskommt auf ein zweistöckiges Schema an, das von einstöckigen Geisternnicht sofort erfaßt wird. Aber schwierig ist es nicht.
Der oberste Begriff ist die Zahlung. Nun fragt es sich zuerst: kommtdie Zahlung zustande durch Zuwägen von Metall? Wenn ja, so hat man