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IV. Geldtlieorie.
Es gibt sogar schon Metallisten, die sich dieser Wahrheit öffnen. 'Esbleibt also der sehr viel engere Satz übrig: unser bares Geld hat seineHauptverwendung im Verkehr mit dem Auslande. —
Unser bares Geld ist bekanntlich Goldgeld; ebenso das bare Geldin England, in Frankreich, in Österreich . Wenn es wesentlich dem aus-ländischen Verkehre dient, wie wir gesehen haben, so ist dies goldenebare Geld vielleicht das lang ersehnte Weltgeld, das Geld für den viel-gepriesenen Weltverkehr. Ist es so, dann wäre eine hohe Stufe der Ent-wicklung erreicht. Aber ist es denn so?
Das Weltgeld ist nichts weiter als eine bildliche Redensart. Es gibtEinrichtungen für den Weltverkehr, aber daß die Goldmünzen der ge-nannten Staaten Weltgeld seien, ist nicht wahr. Niemals war der Satzstrenger durchgeführt als heute, daß in jedem Staate nur das ein-heimische Geld zu Zahlungen verwendet wird. Das deutsche Zwanzig-markslück gilt in Frankreich nicht. Das französische Zwanzigfrank-stück gilt in Deutschland nicht. Es gibt gar kein Weltgeld.
Die Ausbreitung der Goldwährung seit 1871 bedeutet etwas ganzanderes: die Staaten haben für ihr bares Geld das gleiche Metall ge-wählt, nämlich das Gold. Unser bares Geld ist technisch verwandelbarin französisches bares Geld; ohne diese Verwandelung aber gilt es dortnicht.
Der Sinn dieser Maßregel ist: es soll zwischen deutschem und fran-zösischem Gelde ein fester Kurs aufrechterhalten werden; der Franksoll 81 Pfennige kosten, wenn der Deutsche auf der Börse Frankenkaufen will. Diese Einrichtung ist vortrefflich — aber wer kann sounjuristisch sein, hier von Weltgeld zu reden? Es besteht nur eine Ver-waltung des Wechselkurses, und das ist doch etwas ganz anderes.
Demnach dient unser bares Geld vorwiegend zur Befestigung derWechselkurse. Gäbe es andere Mittel zu diesem Zwecke, so wäre dasbare Geld auch im auswärtigen Verkehr nicht mehr so wichtig — aberden Ausblick auf solche Möglichkeiten wollen wir lieber unterlassen.Bleiben wir bei der jetzt erreichten Entwicklung stehen: notales Geldim inneren Verkehr; bares Geld, und zwar goldenes, wegen des aus-wärtigen Verkehrs. Das ist heutzutage der Sinn der fast überall ein-geführten Goldwährung. Halten wir sie also fest! Es hat lange genuggedauert, bis man zu diesem Ziele gelangt ist. Nur glaube man nicht,• dieser Segen beruhe auf dem Gold. Mit Silber als Metall für unser
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