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IV. Geldtheorie.
Die Kritik hätte nun sagen sollen: in der Tat erscheint die Zahlungs-verfassung, vom Staate aus betrachtet, so wie sie hier geschildert wird.
Und dann hätten die Verteidiger der Barverfassung (die Metallistenim Sinne der Publizistik, nicht in dem der Theorie) hinzufügen können:welches Glück, daß das Gebäude so geräumig ist; suchen wir uns unterden vielen möglichen Geldverfassungen diejenige aus, welche die zweck-mäßigste ist, das heißt: wir wollen am liebsten die Barverfassung desvalutarischen Geldes.
Haben es die Kritiker so gemacht? Es scheint nicht. Sie haben vonGefahren des Nominalismus gesprochen, die es allerdings gibt, die aberdoch nicht durch Beschreibung herbeigelockt werden; sie wollen die„Staatliche Theorie“ als solche ablehnen, obgleich dieselbe das mit ein-schließt, was die Praktiker am stärksten empfehlen. Sie haben es fastals Verrat an der Goldwährung empfunden, daß man auch andere Wäh-rungen beschreibt und würdigt. Sie haben es übel genommen, daß wir dielandläufige Begründung der Goldwährung nicht sehr tiefsinnig finden,sondern gediegenere Gründe darbieten. Kurz: sie haben als publizistischePraktiker geredet. Immer war ihr letzter Hintergedanke: die „StaatlicheTheorie“ hat vielleicht eine Tendenz, das bewährte Gute zu erschütternund ganz bedenkliche Versuche in Gang zu setzen. Hütet euch vor Neue-rungen und vor Spitzfindigkeiten! Ein recht einfaches, auf Barver-fassung begründetes Geldwesen bleibt doch das beste!
Der ganze Streit ist so einfach zu lösen: Man gebe zu, daß der theore-tische Metallismus nicht ausgereicht hat, die rechtliche Verfassung desZahlungswesens darzustellen, und daß die neuere Entwicklung tatsäch-lich das bare Geld in exodromische Verwendung drängt und auf künst-liche Regelung der intervalutarischen Kurse hinarbeitet. Dann aber er-kläre man, daß dies nicht sein solle, und daß wir auf älterer Stufebeharren wollen. Darüber läßt sich ja reden. Dann wird sich bald her-ausstellen, ob die übertriebene Schätzung der Barverfassung stark genugist, die Entwicklung aufzuhalten oder nicht; sie wird wohl nicht starkgenug sein, sagen wir; sie wird stark genug sein, saget Ihr. Also ist hierder reichste Stoff zum Streiten.
Aber, daß man eine Beschreibung dessen, was ist, anfechten kanndurch Empfehlung dessen, was da sein soll — das werden die Vertreterder „Staatlichen Theorie“ niemals zugeben.
2 3 . August 1906.