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Einführung in einige Hauptgebiete der Nationalökonomie : siebenundzwanzig Beiträge zur Sozialwissenschaft / von Georg Friedrich Knapp
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Die Währungsfrage vom Staate aus betrachtet . 1

[Aus Jahrbuch für Gesetzgebung, Verwaltung und Volkswirtschaft, Band XXXI

(1907).]

Inhalt.

Es handelt sich nicht eigentlich um das Material (Gold, Silber, Papier ),sondern um Einrichtungen zur Befestigung des Wechselkurses gegen wichtigeNachbarländer. Heutigentages dient die Goldwährung diesem Zwecke, wobeiaber im Innern des Landes mehr bares Geld, als nötig ist, in Umlauf gesetztwird; notales Geld würde für den inneren Umlauf genügen, zumal die Zentral-banken anfangen, die Wechselkurse zu regeln.

Die Währungsfrage!

Wer dies Wort ertönen hört, denkt sofort an dreierlei: Gold, Silber,Papier. Und die allermeisten Zeitungsleser werden wohl ihre Gedankenkurz so zusammenfassen: Papier ist schlecht, Silber ist besser, Gold istam besten.

Nicht ganz so einfach ist das Urteil der Fachleute, besonders in aller-neuster Zeit, seitdem wir den harmlosen Individualismus verlassen unddie Stellung des Staats in der Entwicklung des Zahlungsverkehrs inden Vordergrund gerückt haben. So selbstverständlich, wie sich dieMänner des 18. Jahrhunderts, zum Beispiel Adam Smith 1776, dieSache denken, liegt sie leider nicht, und wir sind heutzutage genötigt,etwas tiefer einzudringen, um die Einrichtungen des Geldwesens völlig zubegreifen.

Ob es wohl möglich ist, davon eine gewisse Art von Rechenschaftabzulegen? Gewiß nur dann, wenn wir die schwierigen Einzelheiten bei-seite lassen und nur das Wichtigste herausheben.

Zunächst: was denkt sich der gebildete Mensch, wenn er nach deinWesen des Geldes gefragt wird?Das Geld, sagt er sofort,ist einallgemeines Tauschgut. Der weitaus wichtigste Fall ist der, daß Metalleals solches Tauschgut anerkannt werden; in neuerer Zeit hauptsäch-lich die beiden Edelmetalle: Silber und Gold. Hier tritt nun eine Gab-

1 Der Verfasser hat am 1. Mai 1907 eine Rede als Rektor der UniversitätStraßburg und am 4. Mai 1907 einen Vortrag in der Statistisch-ökonomischenGesellschaft zu Basel gehalten. Der Inhalt beider frei gehaltener Vorträge istoben schriftlich niedergelegt. Die genauere Begründung findet sich in dem Werkedes VerfassersStaatliche Theorie des Geldes, Leipzig 1905,