Die Währungsfrage vom Staate aus betrachtet . 1
[ Aus Jahrbuch für Gesetzgebung , Verwaltung und Volkswirtschaft , Band XXXI
( 1907 ) . ]
Inhalt .
Es handelt sich nicht eigentlich um das Material ( Gold , Silber , Papier ) ,
sondern um Einrichtungen zur Befestigung des Wechselkurses gegen wichtige
Nachbarländer . Heutigentages dient die Goldwährung diesem Zwecke , wobei
aber im Innern des Landes mehr bares Geld , als nötig ist , in Umlauf gesetzt
wird ; notales Geld würde für den inneren Umlauf genügen , zumal die Zentral¬
banken anfangen , die Wechselkurse zu regeln .
Die Währungsfrage !
Wer dies Wort ertönen hört , denkt sofort an dreierlei : Gold , Silber ,
Papier . Und die allermeisten Zeitungsleser werden wohl ihre Gedanken
kurz so zusammenfassen : Papier ist schlecht , Silber ist besser , Gold ist
am besten .
Nicht ganz so einfach ist das Urteil der Fachleute , besonders in aller -
neuster Zeit , seitdem wir den harmlosen Individualismus verlassen und
die Stellung des Staats in der Entwicklung des Zahlungsverkehrs in
den Vordergrund gerückt haben . So selbstverständlich , wie sich die
Männer des 18 . Jahrhunderts , zum Beispiel Adam Smith 1776 , die
Sache denken , liegt sie leider nicht , und wir sind heutzutage genötigt ,
etwas tiefer einzudringen , um die Einrichtungen des Geldwesens völlig zu
begreifen .
Ob es wohl möglich ist , davon eine gewisse Art von Rechenschaft
abzulegen ? Gewiß nur dann , wenn wir die schwierigen Einzelheiten bei¬
seite lassen und nur das Wichtigste herausheben .
Zunächst : was denkt sich der gebildete Mensch , wenn er nach dein
Wesen des Geldes gefragt wird ? „ Das Geld, “ sagt er sofort , „ ist ein
allgemeines Tauschgut . Der weitaus wichtigste Fall ist der , daß Metalle
als solches Tauschgut anerkannt werden ; in neuerer Zeit hauptsäch¬
lich die beiden Edelmetalle : Silber und Gold . “ Hier tritt nun eine Gab -
1 Der Verfasser hat am 1 . Mai 1907 eine Rede als Rektor der Universität
Straßburg und am 4 . Mai 1907 einen Vortrag in der Statistisch - ökonomischen
Gesellschaft zu Basel gehalten . Der Inhalt beider frei gehaltener Vorträge ist
oben schriftlich niedergelegt . Die genauere Begründung findet sich in dem Werke
des Verfassers „ Staatliche Theorie des Geldes “ , Leipzig 1905 ,