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Einführung in einige Hauptgebiete der Nationalökonomie : siebenundzwanzig Beiträge zur Sozialwissenschaft / von Georg Friedrich Knapp
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Die Währungsfrage vom Staate aus betrachtet.

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lung ein: der eine denkt sich Silber als das allgemeine Tauschgut;andere Güter haben dann als Wert diejenige Menge Silbers, die manfür eine bestimmte Menge des Gutes im Austausch erhält. Der anderedenkt sich Gold als das allgemeine Tauschgut; andere Güter haben dannals Wert diejenige Menge Goldes, die man im Austausch dafür erhält.

Wer hat denn aber das Silber oder im anderen Falle das Goldin die Rolle des Tauschgutes eingeführt?Das hat das Volk getan; dasVolk, indem es Tauschverkehr treibt; noch kürzer: der Verkehr. Daßdies durch eine allgemeine Abstimmung geschehen sei, wird nicht geradegesagt, man muß es aber beinahe vermuten. Dann erst kommt der Staatund gehorcht dem vom Verkehr geschaffenen Gebot.

Die Werteinheit ist dann die Gewichtseinheit des Metalls, welchesals allgemeines Tauschgut anerkannt ist; zum Beispiel das Pfund Silber;oder das Pfund Gold.

Dabei ist aber Abwägen erforderlich; jedermann hat also eine Wagebei sich; man zahlt, indem man dem Empfänger das Metall zuwägt.

Um dies abzukürzen, macht sich der Staat höchst nützlich: er schafftMünzen, abgewogene und bezeichnete Stücke jenes Metalls. Diese Münzensind Geld, während vorher das rohe Metall zwar schon Zahlungsmittel,aber noch nicht Geld war.

Das ist die allgemein verbreitete Ansicht über und Einsicht in dasGeldwesen. Es ist die Ansicht der Metallisten, und zwar der Mono-metallisten.

Neben sie stellen sich, etwa seit 1869, die Bimetallisten: beide Edel-metalle sind gleich würdig als Tauschgut verwendet zu werden; und zwarnach ihrem Werlverhältnis; eine höchst einfache Sache, vorausgesetzt,daß Gold und Silber von selber ein dauerndes Wertverhältnis zu-einander haben.

Wenn man nun diese dreierlei Metallisten sanft darauf hinweist,daß es auch Papiergeld gebe, uneinlösbares Papiergeld, womit gewisseStaaten ganze Menschenalter hindurch wirtschaften ohne unterzugehen dann tritt eine Pause der Verlegenheit ein; zögernd nennen sie dasWort Kredit.

Und nun überschüttet uns der Metallist mit einer Fülle positiverKenntnisse, die einzeln genommen alle ganz richtig sein mögen, denenaber jeder innere Zusammenhang und jeder geschlossene Aufbau fehlt;der Hörer wird in Verwirrung gesetzt und mit dem Eindruck erfüllt:

Knapp. -17