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IV. Geldtheorie.
Vor dem Jahre 1871 waren die Taler valutarisches Geld, und da-mals hatten sie Barverfassung; jetzt freilich sind die Taler notal ge-worden, aber vor 1871 waren sie bar: also halten wir vor 1871 Silber-währung.
In Österreich sind seit i 85 g die Banknoten valularisch; daß sienotales, das heißt: nicht bares Geld sind, versteht sich von selbst. Alsohat Österreich noch immer, laienhaft ausgedrückt, die Papierwährung —allerdings mit wichtigen Neuerungen, die später zu erwähnen sind.
Diese Hauptkennzeichen der Währungen bleiben ungestört durch dievielen Arten von nicht valutarischem, sogenanntem akzessorischem Gelde.Unsere silbernen Taler stören die Goldwährung nicht, solange der Staatseine Zahlungen in Goldstücken leisten kann, wenn es verlangt wird.Ebenso wurde vor 1871 die damalige Silberwährung nicht gestört durchdie gelegentlich auf tretenden Friedrichsdors.
Die Aufrechterhaltung jeder Barwährung setzt voraus, daß der Staatim Besitze des entsprechenden Metallgeldes sei; das Ist der Grund, wes-halb in Zeiten der Bedrängnis zuweilen die Barwährungen zu Fallekommen und durch Notalwährungen ersetzt werden. —
Wenn nun zwei in Verkehr stehende Staaten Barverfassung desvalutarischen Geldes haben, dann geht der Handel leicht vonstatten.Vergessen wir aber eine wichtige Bedingung nicht: diesseits wie jenseitsder Grenze muß es Barverfassung auf Grund des nämlichen Metallessein. Zwischen dem Silberlande Indien und dem Goldlande England gingder Handel (vor i 8 g 3 ) keineswegs glatt und sicher dahin, weil es sichimmer neu fragte, wieviel Rupien kostet heute das Pfund Sterling ?Davon hing nämlich der Handelsgewinn immer noch ab, nachdem dieKaufverträge geschlossen waren. Der günstigste Kauf konnte durch un-günstige Bewegungen des Wechselkurses höchst verlustreich werden.
Das bringt uns auf die intervalutarischen Beziehungen; und darunterist zu verstehen: das Verhalten des valutarischen Geldes hier zu demvalutarischen Gelde dort. Das wird nicht von den Staaten befohlen,sondern ist ursprünglich eine Erscheinung des freien Verkehrs auf denBörsen, also eine merkantile Erscheinung. Durch Angebot und Nach-frage auf den Börsen wird jeden Tag von neuem festgestellt, wievielMark der Frank, der Rubel, das Pfund Sterling kostet. Dieser Preis, dersogenannte Kurs, schwankt hin und her. Das ist vor allem als dasSelbstverständliche festzuhalten; wenn die Ausschläge nach oben undnach unten nur gering sind, so hat das seine besonderen Gründe. Also