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Einführung in einige Hauptgebiete der Nationalökonomie : siebenundzwanzig Beiträge zur Sozialwissenschaft / von Georg Friedrich Knapp
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Die Währungsfrage vom Staate aus betrachtet. 263

der intervalutarische Kurs schwankt; seiner Natur nach. Denn kein Staatkann seinem eigenen Gehle für fremdes Gebiet Geltung verleihen.

Die Schwankungen des intervalutarischen Kurses sind in der Regelhöchst unbedeutend, wenn beide Länder für ihr valutarisches Geld diegleiche Barverfassung haben: /um Beispiel hier wie dort Goldwährung;oder hier wie dort Silberwährung. Der Grund ist leicht einzusehen:das Geld von hier kann körperlich dorthin gesendet und körperlichin dortiges Geld verwandelt werden. Denn Barverfassung beruht ja aufunbegrenzter Verwandlung jenes Metalles in Geld.

Wegen dieser Festigkeit des intervalutarischen Kurses wünschen diemeisten Schriftsteller, daß sich die Goldwährung ausbreite. Eine echtpraktische Formulierung: natürlich viel zu eng! Der Theoretiker darfhöchstens wünschen, daß Barverfassung mit dem gleichen Metall sichausbreite, also daß entweder überall Goldwährung oder überall Silber-währung herrsche.

Die Begründung der Barverfassung ist die: wenn sie diesseits wiejenseits in der beschriebenen Art herrscht, dann befestigen sich dieintervalutarischen Kurse sehr leicht. Das ist in der Tat ihre letzte Be-gründung. Wir erschrecken nicht vor dem Ausspruche, daß die Bar-verfassung für den inneren Verkehr keine große Bedeutung hat. Wiewäre es denn sonst zu begreifen, daß Länder wie Österreich jahrzehnte-lang nicht nur ihr valutarisches Geld in Notalverfassung hallen, sonderndabei auch wirtschaftlich gedeihen. Aber für die intervalutarischen Be-ziehungen müssen wir allerdings die Nützlichkeit der Barverfassung an-erkennen.

Wie aber kam seit 1871 das Silber so ganz in den Hintergrund?Weshalb denn gerade Goldwährung? Das hat einen wesentlich histori-schen Grund. Die vorherrschende Handelsmacht im Jahr 1871 warEngland. England beherrschte schon damals den Weltmarkt. England aber hatte die Goldwährung und war durchaus abgeneigt, sein Geld-system zu ändern. Daher Anschluß an England in der Wahl des Wäh-rungsmetalles. Alle anderen Gründe sind völlig unerheblich und gehenan der Hauptsache vorbei. Nun versteht man, weshalb wir Deutschedas Silber im Stiche ließen. Am Silber lag es nicht; es lag am Weltmarkt,und der gehörte den Engländern.

Wenn nun diese Gründe richtig sind, so muß Österreich möglichstschnell sein goldenes Bargeld in valutarische Stellung bringen. Abersind denn die Gründe richtig? Immer treffen wir denselben Knoten im