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IV. Geldtheorie.
Knäuel der Begründung. Die oben angeführten Gründe für Ausbreitungder Goldwährung sind nicht falsch, aber sie sind doch nur ein be-sonderer Fall von historischer Bedingtheit. Der Zweok ist: Befestigungder intervalutarischen Kurse. Das kann unter anderem durch überein-stimmende Barverfassung geschehen. Es gibt aber vielleicht noch andereMittel, die zu demselben Ziele führen — gerade dies ist seit einigenJahren erkannt und in Österreich sowie in den Niederlanden ausgeführt.Es ist die staatliche Begelung der intervalutarischen Kurse durch dieHilfsmittel der Börse. Davon ist in unseren Kreisen noch wenig die.Rede, so bekannt die Sache sein mag, und die große Wirkung auf dieganze Geldvcrfassung ist erst seit jüngster Zeit mit dem nötigen Nach-druck hervorgehoben.
Bekanntlich hat die österreichische Monarchie im Jahre 1892 einesogenannte Goldanleihe beschlossen und durchgeführt, die so viel Goldciubrachte, daß man alle Staatsnoten — 812 Millionen Gulden — indem neuen Kronengelde einlösen konnte; oder vielmehr: hätte einlösenkönnen. Wegen der Zinsen ist freilich eine alljährlich wiederkchrendeBelastung der Steuerzahler nötig; aber die Monarchie hat es gewagt undes ist gelungen. Man besaß mm ungeheuer viel Gold; es wurde ausgeprägtin Stücke zu 20 und zu 10 Kronen. Und nun sollte man erwarten, daßdie Staatsnoten durch den Staat eingelöst worden wären und ebenso dieBanknoten durch die österreichisch-ungarische Bank, und zwar in dembaren Goldgelde. Dann wäre Goldwährung entstanden, geradeso wie imJahre i 858 auf kurze Zeit Silberwährung entstanden war.
Aber im letzten Augenblick besann man sich anders: die papiernenSlaatsnoten wurden zwar eingezogen, aber durch anderes notales Geldersetzt, keineswegs durch Goldstücke; und die Banknoten wurden nichtin Goldstücken einlösbar gemacht.
Und was machte man mit den Goldstücken? Zum Teil sind sie derBank überwiesen, zur Tilgung alter Schulden; zum Teil hält der Staatsie eingesperrt oder stellt sie der Bank zur Verfügung für gewisseZwecke, und diese Zwecke sind: Regulierung der intervalutarischenKurse! Da die Bank ihre Noten nicht einzulösen braucht, so kann dieseAnstalt ihr eigenes Gold und das ihr überlassene Gold zu diesem Zweckeverwenden. Die Bank beobachtet den Kurs, sagen wir zwischen Wien und Berlin, und sobald das als normal geltende Pari: x Krone =85 Pfennig sich merklich ändert, setzt die Bank eine Gegenspekulationins Werk, um das Pari wieder herzus teilen.