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Einführung in einige Hauptgebiete der Nationalökonomie : siebenundzwanzig Beiträge zur Sozialwissenschaft / von Georg Friedrich Knapp
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Eduard Hammer, ein Wiener Währungsschriftsteller.

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Schäften in einer Art Kartell standen. Er befaßte sich nach Austrittaus dieser Stellung mit Bauführungen auf eigene Rechnung, kam aberdamit auf keinen grünen Zweig, lebte auf großem Fuß, bis er nichtsmehr besaß; sank dann immer tiefer, litt wie Sie (Kuranda) wissen, anGrößen- und Verfolgungswahn, bettelte mich und andere oft an. Mehrist mir nicht bekannt.

Herr Dr. Ignaz Gruber von der Österreichisch-ungarischen Bankschrieb mir (Poststempel 3 . September 1906):

Hammer ist mir sehr wohl bekannt. Er hat mich vor etwa zehnJahren sehr häufig im Bureau besucht ... Seine Ideen hatten zum Teilganz guten Sinn, er war aber im übrigen kein ganz klarer Kopf. Zudemging er daran zugrunde, daß er seine Meinungen sofort ins Praktischeübersetzt wissen wollte. Ich glaube, daß er zuletzt in Geldverlegenheitengeriet, als seine Hoffnungen auf Realisierung seiner Währungsprojektescheiterten.

Herr Regierungsrat Dr. L. Calligaris, ebenfalls von der Österreichisch-ungarischen Bank, schrieb mir unterm 23 . Jänner 1907:

Hammer machte auch in seiner früheren Zeit das Bild eines voll-ständig zerrütteten und sich niemals zu logischer Klarheit losringendenDenkers. Er brachte nur an sich richtige Behauptungen; bei der Be-gründung fehlte es, was ihn selbst sichtlich aufregte, daher wiederholteer sich und drehte sich im Kreise, wobei sein Gesicht fieberhaft gerötetwurde und er niemals zu Ende kommen konnte. So wurde er schließlich zueiner Plage für die, die er immer wieder mit seinen Plänen aufsuchtc.

Auch seine traurige materielle Lage, an der er wahrscheinlich nichtunschuldig war, erweckte kein Vertrauen.

Nach diesen sehr traurigen Aufklärungen werfen wir einen Blick aufdie Schriften. Sie sind alle ganz kurz und hinterlassen den Eindruck,daß der Verfasser seine Sache nicht ganz bewältigen kann. Auch hater neben den kleinen, im Buchhandel erschienenen Schriften noch zahl-reiche Quartblätter drucken lassen, die er offenbar zu versenden pflegte.Immerhin aber nimmt Hammer eine Stellung ein, die sich von der da-mals üblichen weit entfernt: er tritt mitunter dem entgegen, was manjetzt Metallismus nennt; und er sieht das alleinige Heil nicht in derBareinlösung der Banknoten. Leider sind die Schriften ganz so ge-schrieben, wie man nach obigen Schilderungen der Person erwartenmuß. Einige Stellen sollen herausgehoben werden.

Vor allem hat Hammer eine deutliche Vorstellung, woher die Festig-