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Einführung in einige Hauptgebiete der Nationalökonomie : siebenundzwanzig Beiträge zur Sozialwissenschaft / von Georg Friedrich Knapp
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V. Lehrer und Freunde.

trächtliclie Anzahl von Landwirten, und so war denn Helferichs glatterVortrag sehr populär. Während Hermann ein Gelehrter war, der seinerarbeitetes System den Hörern schlicht und wuchtig vortrug, und denman begriff, weil das System aus dem Verstände entsprang hatteIlelferich vielmehr seine starke Seite im Dozieren, dies Wort im engerenSinne genommen. Er fühlte die geistige Unbeholfenheit der Schülerheraus, kam ihnen auf halbem Weg entgegen und drehte und wendete die Sätze so lange, bis auch der letzte unter den Landwirten freudigempfand, daß er etwas Schweres spielend begreife. Mit dankbarer Hin-gebung hingen sie an den Lippen des Lehrers; sie fühlten sich an Wissengefördert, an Selbstgefühl gehoben. Hermann hatte imponiert und über-wältigt; Ilelferich leitete liebevoll an, war stets geschmackvoll und be-wegte sich in den Grenzen der Anmut. Schon wie er auf dem Kathederstand, war bezeichnend: die Arme aufgelegt, die Hände gefaltet undder freundliche Ausdruck des Mundes schien zu sagen: Mein Joch istsanft, und meine Last ist leicht.

Und so war auch seine Unterhaltung. Er war immer zu sprechen,teilte sich offen mit, wie in der Politik so auch in bezug auf seine reli-giöse Neigung; und er hörte geduldig an, was der Schüler etwa auf demHerzen hatte. An der Wand hing ein Bild von H. v. Thünen, das er gernzeigte; es muß wohl eine Handzeichnung gewesen sein, etwa nach einerPhotographie, aber in Lebensgröße.

Wenn Sie Hermann bereits kennen, so werden Sie wenig bei mirlernen; bitte, bitte erwidern Sie nichts; ich weiß schon, was Siesagen wollen; aber Sie können mir glauben. Er wußte offenbar nicht,welcher Schatz allein seine Zugänglichkeit war, auch wenn man allesgewußt hätte. Aber davon konnte ja gar nicht die Rede sein. So zumBeispiel kannte damals fast noch niemand die späteren SchriftenThünens, die ja eben erst (i863) herausgegeben waren; und Helferich,von diesem merkwürdigen Manne ganz erfüllt, verwandte seine ganzedozentische Geschicklichkeit daran, uns diesen Meister zugänglich zumachen. Und wir, nach seinem Vorgänge, versenkten uns in dieseSchriften. War es doch eine seltsame, neue Welt. Schon dies allein gingsachlich über die früheren Lehrer hinaus.

Eine seiner Lieblingswendungen war diese:

Nur eines muß ich mir ausbitten, fragen Sie mich nie, worüber Siearbeiten sollen. Folgen Sie Hermanns Rat wegen der englischen Zeit-schriften; das habe ich auch getan; aber den Gegenstand Ihrer Disser-