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Einführung in einige Hauptgebiete der Nationalökonomie : siebenundzwanzig Beiträge zur Sozialwissenschaft / von Georg Friedrich Knapp
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V. Lehrer und Freunde.

jedem Studenten selbstverständliche Handbuch. Mit dem Zweifel, ob esweise gewesen sei, nach Berlin zu gehen, stieg man die drei Treppenwieder hinunter.

Und dieser Mann war, freilich an anderen Orlen, ein vorzüglicherGesellschafter. Von seinen guten Geschichten, die er stets vorrätig hatte,mag sich der geistvolle Ihering manche aufgeschrieben haben, wie dasso seine Gewohnheit war. Und auch Wilhelm Weber ging mit niemandemlieber als mit seinem alten Freunde Ilanssen, als sie wieder in Göttingen vereint waren, nachmittags auf die benachbarten Höhen spazieren. Wenner nicht erzählte, pflegte Hanssen endlos auszufragen, nie nach per-sönlichen Verhältnissen; denn er hatte die Zurückhaltung des Nieder 1 -deutschen an sich, sondern immer nach Sachen, die der Begleiter oderBesucher etwa aus seiner Erfahrung kennen mochte: Arbeitslöhne, Ge-treidepreise und dergleichen merkte er sich gern.

Im Winter 1 863/64 wurde ein neuer Versuch gemacht, ihn zu hören.Er las Finanzwissenschaft, und diesmal ging es besser. Wir waren etwazwanzig Mann und haben tapfer ausgehalten. Man fühlte durch, daßer in seinem Fahrwasser war: die festen, sicheren Kenntnisse des ehe-maligen Kopenhagener Kammerrats wirkten mit. Noch besser gefiel unsdie andere Vorlesung, genannt praktische Nationalökonomie: trotz desunfreien und etwas steifen Vortrags hatten wir den Eindruck des Mannes,der seine Sache vorzüglich verstand und der uns Anfängern furchtbarüberlegen war. Einmal, so um Weihnachten herum, wurde er sogar leb-haft; er schilderte den Zustand der holsteinischen Gutsuntertanen im18 . Jahrhundert; offenbar halten sich seine monographischen Erinne-rungen von 1861 zwischen die Blätter seines Heftes gedrängt; es war,als ob auf einen Augenblick die Sonne durch die Wolken bräche. Wiedankbar waren wir denn er halte uns nicht verwöhnt!

Und nun gar im Februar i864 geschah das Unerhörteste: er tratam Ende der Stunde vom Katheder herunter, stellte sich vor die ersteBank und sagte mit sichtlicher Aufregung:Bei Eckernförde hat einepreußische Batterie den Rolf Krake vertrieben. Dies dänische Panzer-schiff kannte damals jedermann. So erfreulich die Nachricht warnoch mehr wirkte auf uns, daß der zugeknöpfte ältere Herr Empfin-dungen hatte. Nicht als ob er die Dänen als solche gehaßt hätte dazukannte er sie viel zu gut; aber der alte Schleswiger regte sich in ihm,er sah die Zeit der Unabhängigkeit herannahen: er halte schleswig-hol-steinisches Blut.