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Einführung in einige Hauptgebiete der Nationalökonomie : siebenundzwanzig Beiträge zur Sozialwissenschaft / von Georg Friedrich Knapp
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Hanssens Lebenserinnerungen.

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In Heidelberg frequentierte Hanssen die Burschenschaftskneipe; hörteInstitutionen bei Thibaut, der aber schon alt und bequem gewordenwar.Es mag aber hauptsächlich an mir selber gelegen haben, daß iclinicht für das Rechtssludium begeistert wurde; ich war kein juristischerKopf.

Ich hospitierte einige Male die kameralistischen Vorlesungen vonRau, mit dem ich schon in persönlicher Verbindung und häuslichemVerkehr stand auf Grund einer von Hamburg mitgebrachten Empfehlungan ihn.

Alsdann eröffnete ich ihm meinen Notstand: daß mir die juristischeAder fehle und ich weit mehr zu seiner Wissenschaft mich hingezogenfühle. Er riet mir zum Übergang und entwarf mir einen Studienplanfür das folgende Wintersemester, versah mich auch sogleich mit national-ökonomischer Anfangslektüre.

.. .Ich habe übrigens später oft bereut, das juristische Studium ganzvernachlässigt zu haben.

Im Sommer geht Hanssenschon am 20. August auf Reisen, an denRhein und nach Württemberg .Das schwäbische Volksleben zog michan. Württemberg ist in Süddeutschland , was Holstein in Norddeutsch-land.

Im Wintersemester hört Hanssen wesentlich bei Rau, und zwar Poli-zeiwissenschaft; erst im nächsten Sommer Nationalökonomie; und dabeistudierte er Bücher, die ihm Rau verschaffte. Ebenso war es Rau, derden jungen Hanssen und einen anderen Zuhörer auf Ausflügen in dieBergstraße und Rheinebene belehrte.

Da ereignete sich im August 1828 etwas ganz Unerwartetes: dieStudenten gerieten mit dem Senat in Streit, zogen zu Hunderten in diobayerische Pfalz und erklärten die Universität Heidelberg auf drei Jahrein Verruf. Der junge Hanssen beteiligte sich an diesem Auszug.

Die Universität relegierte später alle diejenigen Teilnehmer, die denVerruf nicht widerrufen wollten und da Hanssen nicht widerrief,wurde er mit relegiert, am 2 5 . Oktober 1828; an einer anderen Universi-tät Aufnahme zu finden, gelang nicht.

Ich begab mich nach Weinheim an der Bergstraße (zirka 5 Stundenvon Heidelberg entfernt), um dort, in aller Zurückgezogenheit privati-sierend, die durch den Auszug unterbrochenen Studien wieder aufzu-nehmen. Hier habe ich bis Mitte Mai 1829 angestrengt und ungestörtgearbeitet, gefördert von Rau, der mir gewogen geblieben war. Ich be-