Hanssens Lebenserinnerungen. 343
ordentlicher Professor in Kiel . Seiner Vorliebe für Landeskunde blieber treu und sagt darüber selbst folgendes bezeichnende Wort:
„Leugnen will ich nicht, daß über diese in meiner geistigen Naturbegründete Richtung, durch unmittelbares Sehen und Hören zu lernen,das gelehrte Studium mehr als sich für einen Professor wohl geziemte,in den Hintergrund gedrängt ward; ich las nur wenige und hervorragendeWerke, die mich fesselten, und habe es auch in späteren Jahren nichtweil: gebracht in der Kenntnis der theoretischen Literatur meines Faches,mich wenig bekümmernd um ,Systeme“, Dogmatik und doktrinäre Pole-mik, habe mehr Monographien über praktische Gegenstände und die Aktepositiver Gesetzgebung studiert, deshalb aber auch niemals Anspruchauf den Namen eines vollwichtigen deutschen Gelehrten gemacht.“
„Ich fühlte ein irdisches Behagen an meiner Situation; ein Behagen,das mich auf die Dauer vielleicht eingeschläfert hätte. Aber es ist auchdafür gesorgt, daß die Bäume nicht in den Himmel wachsen. Wie durcheinen Blitzschlag wurde ich aufgeschreckt durch ein unvorhergesehenesEreignis.“
Dies Ereignis bestand in einer Verfügung der Generalposldireklionin Kopenhagen , wodurch die Fuhrleute in den Herzogtümern in ihremGewerbe beschränkt wurden, um dem Betrieb der königlichen Post eineübermächtige Stellung zu verschaffen, llanssen hielt diese Verfügungfür ungesetzlich: es war aller Willkür Tür und Tor geöffnet. Von In-grimm erfüllt, griff er zur Feder und schrieb einen fulminanten Artikelin die Zeitung (August i 84 i)- Diese Kundgebung hatte zwar sachlich Er-folg; aber der Verfasser des Artikels erhielt einen amtlichen Verweis,der ihn bitter kränkte. Der Streit zog sich längere Zeit hin — da traf eineBerufung nach Leipzig ein, und Hanssen nahm sie ohne weiteres an,um jener Sache ein Ende zu machen. Der dänische König erteilte ihm dienötige Entlassung „in Gnaden“.
Statt aber unmittelbar nach Leipzig überzusicdeln, hielt es Hanssenfür erforderlich, das erste halbe Jahr, Ostern bis Herbst 1842, in Dresden zu verleben, um dort die sächsischen Verhältnisse genauer kennen zulernen. Der Minister gestattete es und wies die Behörden an, dem Pro-fessor jede mögliche Unterstützung zu gewähren. So wurde Hanssen eingenauer Kenner des Königreichs Sachsen. Ähnlich vertiefte er sich späterin Leipzig in die Lokalverhältnisse, besonders in das Studium des Armen-wesens und des Eisenbahnwesens. Auch war er mit dem Besuche seiner