Druckschrift 
Einführung in einige Hauptgebiete der Nationalökonomie : siebenundzwanzig Beiträge zur Sozialwissenschaft / von Georg Friedrich Knapp
Seite
357
Einzelbild herunterladen
 

Adolf Held .

357

entgegen, den deutschen nationalen Staat auszubilden, und an diesemGedanken hing Held mit ganzer Seele. Jawohl, pflegte er zu sagen, derStaatsmystizismus von Gneist und Treitschke beherrscht uns ganz.

Über Karl Marx hat er sich in einem Briefe vom 22. Februar 1880so ausgesprochen:

Ich bin auch der Meinung, daß Marx ein eminenter Kopf ist, unddaß man von ihm am meisten lernen kann. Aber lies nur auch einmaldas kommunistische Manifest, in welchem am klarsten und präzisestendas ganze Wollen und Denken von Marx enthalten ist, so ist klar:

1. sein Wollen ist Revolution als solche;

2. sein Denken steht im Dienste dieses Wollens; und wenn er mitselten geistreicher Kritik die Geschichte der Klassenkämpfe und diegegenwärtigen Klassengegensätze erkennt und schildert, wenn er dabeieine Masse von Wahrheiten aufdeckt usw. laboriert nicht das Ganzean folgendem Fehler? Jeder Kampf, jeder Gegensatz bei ihm ist einKampf, in dem eine Partei vernichtet wird. Er sieht nicht ein, daßneben dem Kampf immer zugleich Versöhnung in der Welt ihre Rollespiele. Und wenn man seine Methode, mit der er Vergangenheit undGegenwart behandelt, konsequent anwendet auch auf die von ihm ge-wollte positive Ordnung der Zukunft, so muß auch diese wieder auf-gelöst und vernichtet werden. Die Konsequenz seiner Methode ist dasNichts, und es ist eine Unwahrheit, wenn er eine dauernde positive Ord-nung will respektive prophezeit. Sein im Dienste rein revolutionärenWollens stehendes Denken ist nur Kritik, und diese Einseitigkeit seinesDenkens ist eine Schwäche. Dadurch werden die Resultate desselbenschließlich unhaltbar. Und ich begreife sehr, daß man sich für ihnhöllisch interessieren und sehr viel aus ihm lernen kann, aber nicht, wieman irgendwie bei ihm slehenbleiben kann. Denn es ist weder wahr, daßdie Welt nach völliger absoluter Auflösung der jetzigen Ordnung beieiner neuen absolut anderen zur Ruhe kommen kann, noch, daß dieSelbslauflösung jeder Ordnung das Ende sein kann. Sondern es gibt einewig fortgesetztes Umändern aller Ordnung, in dem wir die nächsten re-lativen Ruhepunkle suchen können und müssen, ohne das letzte Endesehen zu können.

Andererseits liebte Held aber auch nicht die landläufigen Lehren derenglischen Nationalökonomie, die so tut, als wäre der Staat nicht vor-handen, und als wenn er, wenn vorhanden, sogar schädlich wäre. AlleHandlungen des Menschen aus dem Selbstinteresse herzulcilen, überall