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Einführung in einige Hauptgebiete der Nationalökonomie : siebenundzwanzig Beiträge zur Sozialwissenschaft / von Georg Friedrich Knapp
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Adolf Held .

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seine eigenen Scheunen gesammelt zu haben, statt anderen zu dienen, underfüllt mit Schwung und Kraft zur Ausführung kehrte er zurück und be-gann das Werk.

Die politischen und sozialen Ideen der Engländer neuerer Zeit findenihren getreuen Ausdruck im Denken und Treiben derradikalen Par-tei, die bald nach 1882 zur Blüle kam. Doch darf man sich diese Männernicht so vorstellen wie unsere radikalen Leute. Nicht rotbärtige Volks-männer mit Hahnenfedern auf dem Hute, wie bei uns 18/18, auch nichthohläugige Mißvergnügte, die über das Sozialistengesetz grollen. Der eng-lische Radikalismus ist weiter, er umfaßt noch unsere Fortschrittspartei.Sein Ziel ist, die Führung des englischen Staates dem Adel zu entreißen,besser noch: dem Stande der Gutsbesitzer zu entreißen und die Interessender bürgerlichen und der Arbeiterklasse zur Geltung zu bringen. UnsDeutschen ist von Schriftstellern dieser Art John Stuart Mill am ge-läufigsten, und seine Richtung pflegen wir ulilitarisch zu nennen. AberMill ist nicht der früheste; er ist ein Schüler Benlhams, der ein ganzesSystem der Moral und Politik auf das ulilitarische Prinzip aufhaute, dasist: auf das der Nützlichkeit für das Individuum. Also mußte Bentfiammit seinen Vorgängern studiert werden. Held tat es mit seinem offenenSinn für Persönlichkeiten, zugleich aber, was die Sache betrifft, mit ent-schiedener Gegnerschaft gegen den Individualismus, welcher das Man-chestertum, die Ausbeutung des Schwachen durch den Starken, erzeugtund jedes Verständnis für die Aufgaben des Staates verhindert. Nach ihmist der Individualismus keineswegs die Grundlage des englischen Staates;sondern diese in der Presse so verbreiteten Empfindungen sind im Gegen-teil noch nicht mächtig genug, trotz aller Ausbreitung seit i832, umdie älteren Grundlagen aus der Welt zu schaffen.

Diesen Teil seines Werkes schrieb Held noch in Bonn . Nun wurdedamals (187g) in Berlin eine höhere landwirtschaftliche Lehranstalt neueingerichtet, an welche der hochverdiente Hugo Thiel einen Nalional-ökonomen zu berufen dachte, während zugleich an der Universität eineder zwei Professuren offen stand. Für diese Doppelstellung, die der Stel-lung in Bonn sehr ähnlich war, wurde Held nach Berlin berufen, wohiner im Herbst 187g übersiedelte.

In dem ersten Berliner Sommer begann er die Ausarbeitung desBuches über die Entstehung der Großindustrie. Die verbreitete Meinungist die: daß die Einführung der Maschine in die Weberei und Spinnereidie Großindustrie geschaffen habe. Man pflegt sogar noch beizufügen,