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Einführung in einige Hauptgebiete der Nationalökonomie : siebenundzwanzig Beiträge zur Sozialwissenschaft / von Georg Friedrich Knapp
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Justus von Liebig .

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fügte er die Schwelle wieder ein, stand auf und ging mit seinem Sohneauf und ab: sie redeten von der Brandmauer, die rechtzeitig gegendas Nachbarhaus, die Merckische Apotheke, errichtet worden war undnun ihren Dienst getan hatte.

Am anderen Tage war der Professor Liebig bleich und unwohl. Manerfuhr, daß er beim Löschen gestürzt sei und sich leicht am Arm ver-letzt habe.

Die verkohlten Sparren des Daches waren bald abgeräuml, und nachdrei Tagen erschien, als erstes Zeichen des Neubaues, im Hof ein großerllaufe Sand, auf dem alsbald die zahlreichen Enkel fröhlich zu spielenbegannen.

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Da J. von Liebig 1800 geboren war, fiel sein Leben fast ganz indie Zeit, die uns so traurig erscheint, da wir sie vom Standpunkte derdeutschen Verfassungsgeschichte aus betrachten: Elend des DeutschenBundes, Mangel politischer Führung des Ganzen, wesentlich partikularesLeben auch des preußischen Staates, Kleinstaaterei, höchstens hie undda einmal glückliche Beförderung der Kunst durch einzelne Fürsten.Dafür aber blühte damals die Wissenschaft in erster jugendlicher Frischeauf, löste das ästhetisch-literarische Zeitalter Weimars ab und wurdevon der öffentlichen Meinung jener Friedensjahre im höchsten Gradegeschätzt. Politisch entwickelte sich damals im stillen der biedere Zoll-verein und schuf vorläufig einen größeren Rahmen für unser noch ganzkleinstädtisches Leben und für die technisch noch wenig entwickelteLandwirtschaft.

Was nun in dieser Zeit wohlgeordneter Kleinstaaten Liebig für dieWissenschaft geleistet hat, ist oft bei feierlichen Gelegenheiten dar-gestellt worden: seien es rein chemische Entdeckungen, seien es Anwen-dungen der Chemie zur Erklärung des tierischen und pflanzlichen Lebens.Eine Zeitlang schien es, als wäre nur eine seiner Leistungen nicht ganzerfolgreich gewesen, nämlich die Auffassung des Gärungsprozesses.Sein großer Gegner Pasteur, der die Organismen in den Vordergrundrückte, erschloß ein neues Forschungsgebiet, während Liebig bezwei-felte, daß solche lebende Wesen einen direkten Einfluß auf die Spaltungdes Zuckermoleküls in Kohlensäure und Alkohol ausüben könnten.Neuerdings hat man beobachtet, daß jene Organismen gewisse Stoffeabsondern, und daß diese Agentien, auch wenn sie von der erzeugenden