Zwey und zwanjigster Brief.
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welches Sie mir durch Ihre Zuschrift gemacht haben ? Ich findeden deutlichsten Beweis darinnc, daß Sie mir nicht aus Höflich-keit, sondern ans Ueberzeugung bcygcfallcn sind, und daß Siemeine Gesinnungen nicht so wohl gebilligt, als vielmehr ange-nommen haben. Als ein Geist, der sich gleich Anfangs mitetwas wichtigen zeigen will, übersenden Sie mir einen Plan,wie unser Held wohl am füglichstcn auf die Buhne zu bringensey. Er macht ihrer Critik und ihrem Genie Ehre; und wenn ichmich in die Beurtheilung desselben einlassen wollte, so würde ichüberall nichts zu sagen finden, als: das ist schön, das ist regel-mäßig, ob ich gleich dieses so, und jenes anders eingerichtet zuhaben bekenne. Denn ich muß es Ihnen nur gestehen, daß ichmir einen gleichen Plan gemacht habe, und zwar noch ehe ichdie Ehre hatte, mit Ihnen davon zu sprechen. Ich habe sogarangefangen, ihn auszuführen, und ich bin nicht übel Willensden ersten Auszug meinem Briefe beyzulegen. Und warum nicht?Er wird mir die Mühe ersparen, meine Einrichtung wcitläuftigzu erklären, und ich werde am Ende nichts nöthig haben, alseinige allgemeine zu meiner Entschuldigung dienende Anmerkun-gen beyzufügen. Hier ist er; ich muß Sic aber ersuchen, daßSie das Ucbrige meines Briefes erst nach ihm lesen, weil ichmich durchgängig darauf beziehen werde —--
Samuel H e tt z l.
Sin Trauerspiel. °)
Erster Aufzug.Erster Auftritt.'Henzi. lVernier.Henzi. (kömmt in tiefen Gedanken und wendet sich plelUich um.)Wer folgt mir? — Liebster Freund, bist dus? — Wen suchst
du?--Mich?
Du folgst mir nach? — — Warum?
°) Karl G> Lcssing sctzt im theatralischen Nachlaß, wahrscheinlich ausseines Bruders Papieren, hinzu -i- ,«.k,zk-> «y^-
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