Druckschrift 
3 (1838)
Entstehung
Seite
346
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Drey ii»d jwtiiijigstcr Brief.

Doch kann die Scham allein die Freyheit wieder bringe»?

(Zucttcr sicltt ihn zornig an.)So! zeiget allgemach des Zornes edle Spur!

Fucrter,

Schweig! diesen edlen Zorn reißt deine Frechheit nur.

Wahr ists; wir schämen uns der ungccrbtcn Ketten,

Doch schämen wir uns mehr, mit Schimpf uns zu erretten.

Des unterdrückten Staats großmüthgc Rächer seyn;

Sich für das Vaterland, und nicht für sich, bcfrcyn;

Verwegne Richter nur, nicht das Gericht abschaffen;

Den Mißbrauch ihres Amts, und nicht ihr Amt zu strafen,

Ist ein zu heilig Werk, als daß ein Geist wie du,

Voll Räch und Eigennutz, ein Feind gemeiner Ruh,

Ein Fremdling, der sich uns nur schrecklich sucht zu machen,

Es würdig untcrnähm

Dücret-Dein Stolz ist zu verlachen.Denn gleichwohl braucht ihr mich.

Fuetter.

So braucht ein Arzt das Gift,Das ausser seiner Hand nur hämschc Morde stift.

Dücret.

Das Glcichniß ist gewählt! Auch Hcnzi würd es loben,Der nur von Tugend träumt lind läßt Tyrannen toben.Doch lieber sprich mit Ernst, als oratorisch schön,Den Helden minder gleich, die auf der Bühne stchn,Und auf des Sittcnspruchs geborgte Stelzen steigen,Dem Volk die Tugenden im falschen Licht zu zeigen.Sprich ungekünstelt! Sprich! Was habt ihr bis anitztDer Freyheit eures Berns, auf das ihr trotzt, gcnützt?Hab ich das schwerste nicht stets auf mich nehmen müssen?Denn ihr könnt weiter nichts, als rathen, zweifeln, schlicfseii,So tugendhaft ihr seyd, so durstig nach der Ehr;Und eine Heldenthat erfordert etwas mehr.Hab ich das Landvolk nicht zu unserm Zweck vcrlcnkct?Hat euch nicht meine List manch mächtig Glied gcschcnkct-?Vielleicht wär euer Muth zwar ohne mich gleich groß,