Z'rcy und zwanzigster Brief.
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Doch wär cr ohne mich, zum mindstcn, waffenlos.
Zur Kühnheit in der Brust gehört auch Stahl in Handen,
Was dem entflicht muß dann ein donnernd Rohr vollenden.
Geht! schickt den kühnsten Held ohn dieses in den Streit:
Die Feigheit zielt; cr fällt. O weibisch tapfre Zeit!
Jcdoch, was brauch ich viel zu meinem Ruhm zu sagen?
Wer seine Thaten rühmt, will keine grossem wagen.
Nur darum seht ihr mich mit ncidschem Hochmuth an,
Daß ich kein Bürger bin, doch mehr als cr gethan.
Ein grosses Herz muß sich an keinen Undank kehren.
Beschimpfet ihr mich gleich, und wünscht mich zu entbehre»,
Und nennt mich eures Ruhms gewisses Hinderniß;
Die Strafe wär zu hart, wann Dücrct euch verließ.
Er kcnnct seinen Werth. O möchtet ihr ihn kennen,
Und ihm der Treue Lohn, euch zu crrcttcn, gönnen.
Für alle seine Müh, für alle die Gefahr,
Verlangt cr statt des Danks; man stell ihn größrcr dar.
Für Bern und scincn Schwur wünscht er Glück, Blut und Lcbcn,
Za, dem dieß alles weicht, die Tugend aufzugeben.
Sie, die nur allzu oft den ihr gcwcyhtcn Geist,
Von grossen Thaten ab, zu kleinen Scrupcln reißt;
Die selten Helden schast, doch öfters sie ersticket,
Noch eh der kühnen Faust ein nützlich Lasier glücket;
Die sich für Blut entsetzt, auch wann es büsscnd fließt,
Und dcr ein Hcldcnmord die größte Schandthat ist:
Die opfr ich für cuch auf. Was ihr abscheulich schätzet,
Das überlaßt nur mir, der sich für nichts entsetzet.
Folgt mir. Geht nicht in Rath; und spart cuch auf die Nachl,
Eh das verlangte Recht cuch ihm verdächtig macht.
Was sollen Recht und Flehn bey cincm Wütrich nützen,
Dcr seine Laster muß mit ncucn Lastern stützen?
Gnug, daß cr unbcrcut, zum Sterben unbcschickt,
Scin Unrecht und den Tod in cincm Nu erblickt.
Wysz-
Wahr ists; wir sind dcr Wclt cin strafend Beyspiel schuldig.Man dient schon halb mit Recht, murrt man blos ungeduldig,Wagt sich die fcigc Faust selbst an den Fessel nicht,