Druckschrift 
3 (1838)
Entstehung
Seite
351
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Drey lind zwanzigster Brief. 351.

llm die cm rasend Schwcrd eh tausend Bürger frißt,

Als er ein einzig Wort in seinem Tittcl mißt:

Nur dieses, Freunde, macht der Freyheit schätzbar Wesen,

Für die schon mancher Held den süsscn Tod erlesen.

Sagt denn ob man bey ihr die Tugend missen kann,

Dir ihr so kühn verletzt, als kühner kein Tyrann?

Zst denn der Blutdurst auch zu einer Tugend worden?

Und ist es Bürgerpflicht, die Bürger zu ermorden?

Ein Vorsatz gleicher Art steht nur Rebellen an.

Seyd ihr Rebellen? Wohl! Geht, sucht euch euren Mann.

Für Helden hielt ich euch, die für den Riß sich stellen,

Bon diesen ward ich Haupt, und kein Haupt von Rebellen.

Richard, (spöttisch)Gewiß ein feiner Grif! hört und bewundert ihn!Daß man Vorwürfe macht, Vorwürfen zu cntflichn.Ist denn die Untreu auch zu einer Tugend worden?Welch Laster ziert uns mehr, verrathen oder morden?

Henzi.

Was sagst du?---Solchen Spott verstehet Henzi nicht.

Ich hör es allzuwohl, daß Dücrct aus euch spricht.Wars ihm noch nicht genug, ins Laster euch zu stürzen?Müßt ihr, auf seinen Trieb, auch Hcnzis Ehre kürzen?Scheint der, der für sich nichts, und alles für den Staat,Und eure Rechte thut, euch fähig zum Verrath?Wie? oder ist bey euch, wer sich ein Missethäter

Zu werden scheut--ist der so gleich auch ein Vcrräther?

Noch reuet mich es nicht, was ich im Zorn gethan.Der Zorn war tugendhaft. Er stund euch allen an.Die unglücksclge Roll riß ich in hundert Stücken.O möcht ein gleiches mir mit euren Herzen glücken!Riß ich die Wuth heraus, noch eh sie Wurzel schlägt,Noch weil der seichte Geist der Menschheit Spuren hegt.Zcdoch auch die sind hin. Sonst würdet ihr erblassen,Und nicht den, der euch straft, das was er strafet hassen.Wann eure Wuth nur Blut, nur Blut der Bürger sucht,So sucht nur meines erst, der sie und euch verflucht.Eh Steiger sterben soll--

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