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5rey und zwanzigster Brief.
Fuetter.
Was Rolle? Steiger? Sterben? —
Versteht ihr was hiervon?
Wyß.
Genug uns zu verderben.Welch schrecklicher Verdacht dringt mit Gewalt in mich.Zc mehr ich ihn bestreik, je mehr bestärkt er sich.Hört ihr, wie Steiger ihm so sehr am Herze lieget — —
Fuetter.
Wie? Zwcifl' ich langer noch, ob er, ob Dücrct tricget?
Nein, deine Tugend, Freund, zerstreuet den Verdacht;
Dein Herz ward uns zum Glück, nicht zum Verrath gemacht.
Man mahlt die Unschuld oft in fürchterlichen Zügen.
Wo nichts zu tadeln ist, ist dennoch Stoff zum Lügen.
Allein erkläre dich. Wer dürst nach Bürger Blut?
Wir deine — ?
Henzi.
Gütgcr Gott ! So schöpf ich wieder Muth?So find ich noch in euch die tugendhaften Freunde?Des Lasters Feinde zwar, doch stets menschliche Feinde.So war es Dücrct nur, der mit verfluchter HandDie blutgcn Urthcl schrieb, die mich auf euch entbrannt?
So hab ich Steigers mich vergebens angenommen?---
Mein Zorn verlöscht so schnell, so schncll er erst entglommen.Erkcnnct nun, wie werth mir eure Tugend ist,Erkennt cs, und verzeiht — —
Fuetter.
Ha! welche Teufels List!
O Freunde! liessen wir so schimpflich uns bctricgcn?--
Doch wie?--Zorn und Verdacht scheint noch in euch zu
siegen?
Seyd ihr noch nicht gewiß, daß Dücrct Zwietracht spinnt,Daß Henzi redlich ist, daß wir verrathen sind?
Richard.
Nicht der, deß böscr Sinn am Unglück sich ergötzet,Der Redlichkeit und Wort für nichts als Worte schätzet,Nicht der allein verräth, auch der, dem Pflicht und Freund