Druckschrift 
3 (1838)
Entstehung
Seite
354
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354 Vier und zwanzigster Brief.

Ein Freund hat mich erficht!" O träfe der Verrath,

Nur unser Glucke mehr und weniger den Staat,

So könnte noch dein Blut für deinen Frevel büsscn,

So wär cr grösser nicht, als wir die Strafe wissen.

Doch einem Feind des Staats wär dieß mehr Gnad als Pein,

Ein Leben voller Schimpf muß seine Strafe seyn.

Die Enkel werden dich noch mit Entsetzen nennen,

Für deren Freyheit wir nun nichts als sterben können.

Denn wer steht uns dafür, daß dein unwürdgcr Freund

Kein gleicher Schwätzer ist, daß cr cs trcucr meint?

Henzi.

Er sclbcr steht dafür! Zcdoch, ich seh ihn kommen,Und curcm Borwurf ist zugleich die Kraft benommen.

Dritter Auftritt.lVermcr, und die vorigen.Fuetter, Richard, °Wyß zugleich voller Erstaune».Wici Wcrnicr? (Sie umarmen ihn.)

Henzi.

Wie nnn? Umarmt ihr curcn Feind?Was ändert euch so schncll? Flicht ihn! Er ist mcin Frcund!Flicht ihn, cr ist wie ich ein Schwätzer und Berräthcr,Ein Fcind dcs frcycn Staats, ein Schaum der Ucbclthätcr!Flicht ihn! Er ist mcin Frcund; wie wär cr tugendhaft?

Wyß.

O Henzi, quäl uns nicht, wir sind genug gestraft!Die Tugend haben wir in dir und ihm gckränkct.

Richard.

Sich, wic man irrcn kann, wcnn man zu cifcrn dcnkct.Das Fcncr riß uns hin, und mit sich sclbst cntzweyt,Sicht allezeit die Furcht, was sie zu sehen scheut zc.

Vier und zwanzigster Brief.An den Herrn F.Sic müssen sich nothwendig noch crinncrn, wie viel ich jcdcrZcit aus den Horaizischen Gden und aus ihrem Verfasser demHerrn Pastor L.ange gemacht habc. Ich habe ihn allezeit alseinen von unsern wichtigsten Dichtern betrachtet und seiner vcr-