Druckschrift 
3 (1838)
Entstehung
Seite
408
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408 V-uIv inevuiu für Hrn. Sam. Gotth. Lange.

Sprache kein eignes Wort hat, der Lateiner «o,-^- oder unserScheitel auszudrücken. Wenn sie es ja ausdrücken will, somuß sie sagen: t'vmmet clo I-c ttto. Wie aber würde dieses ge-klungen haben, wenn es Dacier in einer nachdrücklichen Ucbcr-sctzung eines Dichters hatte brauchen wollen? Daß meine An-merkung ihren Grund habe, können Sie schon daraus sehen,weil er nicht einmal in der wörtlichen Ucbcrsctzung, die er beyabweichenden Stellen unter den Tcrt zu setzen gewohnt ist, dasl'omnivt <Iv I-l tött- hat brauchen können, sondern bloß und al-lein sagen Muß: clo m» tl'tv Alo'ieui'o fester»! los »stecs.Sind Sie nun in gleichem Falle? Ist Nacken etwa kürzer, oder

nachdrücklicher, oder edler als ScheiccU--Lassen Sie uns

Ihre zweyte Ursache ansehen. Ich habe, sagen Sie, mehr nachdem Verstände, als nach den Worten übersetzt, (in derVorrede sagen Sie gleich das Gegentheil) und habemeinem Horazc auf das genauste nachfolgen wollen. Sie setzensehr witzig hinzu: ich sollte mir ihn nicht als ein Cartcsiani-schcs Tcufclchcn vorstellen, welches im Glase schnell aufwärtsfährt, oben anstößt, und die Beine gerade herunter hangenläßt. Wen machen Sie denn damit lächerlich, Herr Pastor?Mich nicht. Wenn Horaz nicht sagen will: Dann werde ichfür stolzer Freude anffabrcn, und mit erhabnem Scheitelan die Sterne stojscn; was sagt er denn? Wir sprechen ingemeinem Leben: für Freude» mit dem Kopfe wider die Deckespringen. Veredeln Sie diesen Ausdruck, so werden Sie denHorazischcn haben. Eine provcrbialischc Hyperbel haben alleAusleger darinnc erkannt, und Dacier selbst führt die Stelledes Thcecritus:

Li,' oi^j>«vov Lt^l^lii' «^x^<i.cxi

als eine ähnliche an. Hat sich dieser nun auch den Horaz alsein Glaßmäiinchcn vorgestellt? Doch Sie finden ganz etwasanders in den streitigen Worten, und sehen hier den Dichter,

wie er an dem Slcrncnhimmcl schwebet und herab schauet--

O daß er doch auf Sie herab schauen, und sich wegen seiner

Schönheiten mit Ihnen in ein Verständniß einlassen möchte!--

Ich soll mir ihn nicht als ein Cartcsiamschcs Tcufclchcn einbil-den, und Sie, Herr Pastor, - - Sie machen ihn zu einem