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von der Wirtschaft — zwei grundverschiedene wirtschaftliche Tätig-keiten und Lehren davon: die oixovopuxn = n xa/ra. qjixnv, das
ist die „richtige“ Wirtschaft, nämlich diejenige, die der Befriedigungvernünftiger Bedürfnisse dient, und im oixo<; mit angegliedertemeinfachem Tauschverkehr sich abspielt und die ^pnfJKZTKrnxT), dasist die unnatürliche, unerlaubte Art zu wirtschaften, nämlich dieauf die Erzielung von Gewinn eingestellte Wirtschaft, die verwerflichist vor allem in der Gestalt der Geldleihe, des Zinsdarlehns: es istunnatürlich, daß Geld „Junge“ kriegt (Spiel mit dem Doppelsinndes Wortes toxoc;).
Während nun Aristoteles über die „richtige“ Wirtschaft sehrviele noch heute beachtenswerte Bemerkungen gemacht hat, auf dieich natürlich in diesem Zusammenhänge nicht einzugehen brauche,erledigt er die Erwerbswirtschaft mit einigen verächtlichen Bemer-kungen. Er hält sie, wie es Salin treffend ausdrückt, der Analysenicht für wert, sondern wirft sie aus der Polis heraus: richtendeNationalökonomie!
b) Die Hochblüte der Scholastik
Zu ihrer höchsten Ausbildung gelangt dann die scholastische Natio-nalökonomie wie bekannt in den Schriften der mittelalterlichen Theo-logen, vor allem bei Thomas von Aquino im i3. Jahrhundert undbei den Spätscholastikern Antoninus von Florenz und Bernhardvon Siena im i5. Jahrhundert.
Wie bei Aristoteles einen Teil seines philosophischen Systems,so bildet die Lehre von der Wirtschaft bei den mittelalterlichen Scho-lastikern einen Zweig innerhalb ihres theologischen Systems. Sie istjetzt theonom. Das einigende Band ist nicht mehr die Polis, sonderndas Christentum. Als Aufgabe der Erkenntnis erscheint nicht sowohldie Ergründung des ausführlichen Zusammenhanges der Einzel-erscheinungen als ihrer ideellen Bedeutung, das heißt ihrer Stellungim Kosmos, ihrer Bedeutung im Hinblick auf den göttlichen Welten-plan. Wobei es dem Menschen Vorbehalten bleibt, in seiner Freiheit,den richtigen oder einen falschen Platz einzunehmen. Dm auf denrichtigen Weg zu führen, ist die vornehmste Aufgabe der Erkenntnis.Dieser richtige Weg ist vorgezeichnet in dem ewigen Gesetz. Dieses