Druckschrift 
Die drei Nationalökonomien : Geschichte und System der Lehre von der Wirtschaft / Werner Sombart
Seite
39
Einzelbild herunterladen
 

Amles als der Herrscher der Welt, er ist vielmehr, nachdem er dieWelt geschaffen, bescheiden hinter sein Werk zurückgetreten, dasnun wie ein gut gearbeitetes Uhrwerk auch ohne sein Zutun abläuft.DieGesetze der Weltordnung sind nicht mehr die von Gott demHerrn erlassenen Gebote,Gesetze durchwalten vielmehr die Naturals Zwangsläufigkeiten des Geschehens. Das WortGesetz hat eineWandlung erfahren: ,es bedeutet nicht mehr Satzung, nicht mehrrechtliche oder sittliche Norm, sondern Regel des Naturgeschehens.Die Befolgung derewigen Gesetze geschieht darum auch nichtmehr zur höheren Ehre Gottes und weil es Gottes Wille so vonuns fordert, sondern sie geschieht um des Menschen und seinesWohlergehens willen. Denn dieses ist das eigentliche Geheimnis derOrdnung dieser Welt, in der sich die unendliche Güte des Schöpfersoffenbart: daß sie demGlücke der Menschen dient, wenn diesesich den in ihr, das heißtin der Natur waltendenGesetzen fügen.

Die Befolgung derNaturgesetze, die also dem Menschen dasHöchstmaß vonGlück (das immer in einem hedonistischen Sinneverstanden wird) verbürgt, erheischt nun aber nicht mehr, wie dieBefolgung der göttlichen Gebote, eine sittliche Aufraffung gegen dieTriebwelt, sondern gerade im Gegenteil eine möglichst un-gehemmte Entfaltung des Triehlebens jedes einzelnen. Kein sündigerMensch braucht überwunden zu werden, vielmehr muß der ursprüng-liche Mensch! nur zur Geltung gebracht werden: dieser triebhafthandelnde Mensch istgut; die Erbsünde ist ein Wahn. Nur dieverkehrten gesellschaftlichen Einrichtungen haben das Urbild desgütigen Menschen, das imbon sauvage noch hindurchschimmert,entstellt. Wird dieses Urbild wieder hergestellt, läßt man seinennatürlichen Trieben freien Lauf, so wird in der menschlichen Gesell-schaft eine vollendete Harmonie herrschen, die derHarmonie derSphären entspricht. Anthropozentrismus, Optimismus, Monismusalles verklärt durch einen sanften Deismus: das sind die Grundzügedieser Metaphysik, die das Zeitalter der Aufklärung beherrscht hat.Descartes, Newton und Rousseau haben Anteil an ihrem Auf-bau den größten aber gewiß Newton, der wohl un-wissentlich den Grundriß für den Gesellschaftsbau geliefert hat.Denn dienatürliche Ordnung, derordre naturel, nach dem die