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ordinationem ad ultimum fidem .“ 75 Dabei bleibt es sich völliggleich, welchen Seinscharakter das Wertesystem trägt.
Wir machen uns diesen Sachverhalt am besten klar mit Bezugauf das wirtschaftliche Handeln, um das es uns ja zu tun ist. Eshandele sich um eine Lohnforderung der Arbeiter. Wie entscheidenwir, ob sie berechtigt ist? Indem wir einerseits feststellen, ob dieIndustrie sie „tragen“ kann. Mit dieser Frage entscheiden wir unsschon für die Notwendigkeit der betreffenden Industrie. Diese mögenwir begründen mit der Unentbehrlichkeit des Erzeugnisses, es handlesich z. B. um ein kosmetisches Mittel. Wenn wir dessen Unent-behrlichkeit behaupten, nehmen wir Partei für eine bestimmte Artder Lebensgestaltung, womit wir schon im Transzendenten angelangtsind. Oder wir können die Berechtigung der Lohnforderung ab-lehnen mit dem Hinweis darauf, daß der erhöhte Lohn die Kapital-bildung unmöglich mache, also auch den Kapitalismus. Also haltenwir diesen für erwünscht. Warum? Weil er etwa — im Gegensätzezum Kommunismus — die persönliche Freiheit besser wahrt. EinenWert? Ja — wenn wir bestimmte Anforderungen an die Geltung desIndividuums in der Wirtschaft stellen. Geltung des Individuums inder Wirtschaft? Entscheid über den Sinn unseres Lebens — trans-zendent. Wir können aber die Lohnforderung auch bewerten imHinblick auf die Bedürfnisse des Arbeiters. Sie etwa als „berechtigt“ansprechen, weil die Lage des Arbeiters schlecht ist: er hat keinAuskommen, wenn er vier Kinder hat. Warum hat er nicht bloßderen zwei? Dann käme er aus. Er soll vier haben, weil die Be-völkerung sich nicht vermindern oder nicht stabil bleiben soll. Warumnicht? Weil dann die Machtstellung Deutschlands eine Minderungerführe. Eine „Gefahr“? Ja — wenn wir bestimmte Ansichten über
76 S. Thom., S. th. Iae ll a qu. 90 a 2 und o. Vgl. Jos. Mausbach, Katho-lische Moraltheologie. Bd. I. 5 . u. 6. Aull . 1927. S 7. — Die Polemik des ge-schätzten Kollegen gegen mich in seinem Werke: Die katholische Moral und ihreGegner ( 5 . Aufl. 1921. Seite 448 ) ist also, was diesen Punkt betrifft, gegenstandslos.Man soll mir nicht immer noch meine Auffassung Vorhalten, die ich in meinemAufsatze über die „Ideale der Sozialpolitik“ im Jahre 1897 (!) vertreten und inwesentlichen Punkten geändert habe. Dabei bin ich noch heute der Meinung, daßdamals meine Ausführungen, die ein erster Angriff auf das Bollwerk der „ethischenNationalökonomie waren, einen „Fortschritt“ für unsere Wissenschaft bedeuteten.