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Die drei Nationalökonomien : Geschichte und System der Lehre von der Wirtschaft / Werner Sombart
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Scheins, in der wir leben, eine andere Wesenswelt gibt, deren Er-forschung die Philosophie sich zur Aufgabe stellt. Alle echte Philo-sophie setzt die Realität einer transzendenten Welt als selbstverständ-lich voraus. Alle echte Philosophie ruht aber des ferneren auf demGlauben an die Erkennbarkeit dieser übersinnlichen Welt und daßihre Erkenntnis logifiziert, unter Verstandeskategorien gebrachtwerden kann: dieser doppelte Glaube ist das Apriori jeder Meta-physik.

Die Besonderheiten der philosophischen Erkenntnis sind aber diese:

1. sie ist, wie man es ausdrücken kann, persongebunden. Nurdem Auserwählten, dem Begnadeten erschließt sich die Einsicht indie Welt des Absoluten. Wahrheit ist ebensowenig wie Schönheitjedem Beliebigen erreichbar. Philosophisches Wissen ruht auf Offen-barung und die Philosophie erweist sich damit der Religion ver-wandt. Auch die Art ihres Wissens gleicht dem religiösen: es ist mehrein Schauen, ein Ahnen als ein Wissen im szientifischen Sinne. Sieunterscheidet sich von der Religion dadurch, daß sie ihr Wissen, stattin Symbolen, in Verstandeskategorien faßt. Aber diese Fassung bleibtunvollkommen: den Verstandeskategorien, in denen das philoso-phische Wisseü sich darstellt, haftet immer noch etwas Symbo-lisches an. Das philosophische Wissen ist nur in beschränktem Um-fange objektivierbar, das heißt loslösbar von der Person des Philo-sophen. In der Philosophie ist ebenso wichtig, wenn nicht wichtiger,wer etwas sagt, als was gesagt wird. Daraus ergibt sich:

2. die dem philosophischen Wissen eigentümliche Form der Über-tragung. Sie ist die der Lehre. Lehre ist aber die Übertragung einesWissensstoffes von Person zu Person, wie sie geübt wird in allerReligion, in aller Kunst und handwerkerlichen Kunstfertigkeit: demMeister steht der Jünger, der Schüler, der Lehrling gegenüber.Lehren heißt: zeigen, wie ich es mache, sagen, wie ich es sehe. Ihrentspricht die Aufforderung:tut Ihr desgleichen; macht es ebenso,schaut es ebenso wie ich;folgt mir nach. Alles Überzeugen istsehenmachen. Das philosophische Wissen ist darum nur aufweisbar,nicht beweisbar. Deshalb kann es auch nur dem Gleichgesinnten,Gleichgestimmten, Gleichgerichteten übertragen werden. Wie ich die