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geistiges“ Gebiet ist: es ist aus axiologischen und metaphysischenBestandteilen zusammengesetzt und drängt mit jenen zur Wissen-schaft, mit diesen zur Philosophie.
Denn auch dann, wenn man die Wissenschaft vor allem Über-greifen in das Metaphysische bewahren will, ist es sehr gut möglich,ihr im Bereiche des Geltungsmäßigen ein Forschungsgebiet zu er-öffnen. Es bedarf dazu nur der Annahme, daß das, was uns in den„idealen Geltungen“ gegeben ist, Fiktionen des Geistes seien, diedieser sich geschaffen hat zum Zweck besseren Verständnisses der Er-fahrungswelt, um die Beschäftigung der Wissenschaft mit dem Gel-tungsmäßigen vollauf zu rechtfertigen. Handelt es sich doch alsdannbei allen Geltungskategorien um nichts anderes als um eine besondereTechnik des Geistes, deren Erforschung ganz und gar nichts mitphilosophischer, das heißt metaphysischer Erkenntnis zu tun hat.Man braucht nicht in die Niederungen des Pragmatismus nieder-zusteigen, um solcherart die Geltungskategorien — im wesentlichenhandelt es sich freilich, wie wir gleich sehen werden, um dieKategorien der Logik — für die „streng wissenschaftliche“ (imSinne von „erfahrungswissenschaftliche“) Erörterung zu rekla-mieren: es ist die konsequent durchgeführte und sehr gut begründ-bare Ansicht Drieschs z. B., daß es sich für die „Ordnungslehre“,wie er die „wissenschaftliche “, früher so genannte Erkenntnistheorieund Logik bezeichnet, überhaupt nicht um „Erkenntnis“ handelt,die er vielmehr ganz der Metaphysik überantwortet, weil es für jenegar kein Reich des „Seins“ und damit der „Wahrheit“, sondernnur ein „Scheinreich der Richtigkeit“ gibt 3 . Das Zauberwort aber,mit dem der wissenschaftliche Forscher die Geltungssphäre gleich-sam entzaubert, mit dem er allem Unsinnlichen jeglichen Anspruchauf Realität, jegliche Verwandtschaft mit dem Übersinnlichen einfür alle Male aberkennt, ist die Formel des „Als ob“. Das Als ob(das allem philosophischen Wesen im tiefsten zuwider ist, so daßeine „Philosophie des Als ob“ einen Widerspruch im Terminus be-deutet) ist zu einem — übrigens weit über den Bereich des Geltungs-mäßigen hinaus — unentbehrlichen Zubehör der wissenschaftlichen
, 3 H. Driesch, Oninungslehre (1913), S. 167
11. o.