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Das ist auch die Ansicht der Begründer dieser naturwissenschaft-lichen Gesetzeslehre in der Nationalökonomie, wenn wir sie, ohneRücksicht auf ihre oft schwankende und teilweise geradezu falscheTerminologie, auf ihren innersten Gehalt hin untersuchen. Millspricht zwar von apriorischer Begründung seiner Gesetze, wie wireben feststellen konnten. In Wirklichkeit aber gewinnt er keineinziges seiner Assoziationsgesetze auf apriorischem Wege, ebenso-wenig wie Wundt, der ihre Herkunft aus der Erfahrung selberausdrücklich zugibt. Für Mill bedeutet die Unterscheidung derexakten (angeblich deduktiven) und der realistischen (anerkannt in-duktiven) Methode auch nur eine Unterscheidung des Grades: erwill jene auf „einfache“, diese auf „komplizierte“ Verhältnisse an-wenden. Menger aber erkennt den empirischen Charakter auchseiner „exakten“ Methode ausdrücklich an. Er meint sogar, sie seimehr empirisch als die der exakten Naturwissenschaften, die mitden „unempirischen“ Begriffen „Atome und Kräfte“ arbeiten. (DerGegensatz ist hier, wie bemerkt werden mag, auch nicht apriorisch:Atome und Kräfte sind höchstens „Fiktionen“, deren sich der immerempirisch eingestellte Naturforscher bedient.) „Anders“, fährt dannMenger fort 69 , „in den exakten Sozialwissenschaften. Hier sind dieIndividuen und ihre Bestrebungen, die letzten Elemente unsererAnalyse, empirischer Natur.“ Emil Sax 70 , den wir in gewissemSinne als einen Glossator Mengers ansehen dürfen, bemerkt dazu:„Indem wir bei derselben (sc. der „exakten“ Methode in den Sozial-wissenschaften) in einer tiefgreifenden Analyse die einfachsten Ele-mente“ der Erscheinungen aufspüren und auseinanderlegen und jenur eines von ihnen isoliert in seinen kausalen Verhältnissen beob-achten, gelangen wir zu Grundgesetzen der Erscheinungen, welcheschlechtweg ausnahmslos (!) gelten, wie das Kausalitälsgesetz selbst.Der Weg, auf dem sie gefunden werden, ist die Induktion.Auch sie beruhen also auf Empirie, sind empirisch... Esmüßte ein solches exaktes Gesetz als unrichtig aufgegeben werden,wenn es mit den Erscheinungen nicht im Einklang stünde...“
69 C. Menger, Untersuchungen usw. S. 157.
70 Emil Sax , Das Wesen und die Aufgabe der Nationalökonomie. i 884 .S. 35 JL, 37/38.