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Die drei Nationalökonomien : Geschichte und System der Lehre von der Wirtschaft / Werner Sombart
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Ein Theoretiker, der das Verfahren derorthodoxen Rich-tung sich zu eigen machte und dem man z. B. Spanntut es ebenfalls gern seinenIndividualismus vorwirft, istKarl Marx . Aber der Grundgedanke seines Systems ist doch der,daß die Gesellschaft nicht aus einer Summe von Individuen bestehe,sondern ein Ganzes sei. Seine Grundauffassung ist die: kein sozialerVorgang könne anders als durch sein Verhältnis zum Ganzen erklärtwerden. Alle seine Begriffe sindFunktionsbegriffe (im SinneSpanns). Ein so gründlicher Kenner von Marx , wie G. Lukacz,rückt denn auch mit Recht den Totalitätsgedanken von Marx in denMittelpunkt des Marxschen Denkens.Nicht die Vorherrschaft derökonomischen Motive in der Geschichtserklärung unterscheidet ent-scheidend den Marxismus von der bürgerlichen Wissenschaft, sondernder Gesichtspunkt der Totalität . 6 Es ist gewiß nicht falsch, wennman Marx als Integralisten bezeichnet 6 .

Und die Funktionalisten oder Relationisten: sind es nicht wahreMuster vonGanzheits-Theoretikem?! Es ist keineswegs erstaun-lich, wenn die Vertreter dieser Richtung dieGanzheitsbetrachtunggeradezu als das Kennzeichen ihrer Lehre ansehen:Nul ne peut nierque seule (!) leconomie mathematique, celle de Pareto surtout,nait ^bonsidöre systematiquement la soci 6 te economiquecomme un ensemble maintenu pas les liens de mutuelle depen-dance . 7

Die Verwirrung haben hier offenbar der verschwommene Begriffder Ganzheit und der noch verschwommenere Begriff des Indi-vidualismus angerichlet. Ganzheit bedeutet hier zweierlei: x. Totalität= soziale Verbundenheit, Einbezogenheit (Gegensatz: Vereinzeltheil,Atomismus ); 2. Universalität = Vollständigkeit (Gegensatz: Teil-heit, Unvollständigkeit). Jenen Ganzheitsbegi'iff, dessen Mangel dieKritik also zu Unrecht rügte, hatten viele der Orthodoxen, diesenhatten viele, dank ihrer naturwissenschaftlichen Einstellung, nicht.Individualismus steht in gar keinem Gegensatz zur Ganzheit 2 =Universalität, dagegen steht er einmal im Gegensatz zu Totalismus,das andere Mal zu Universalismus im üblichen Sinne. Das eine Mal

6 G. Lukacz, Geschichte und Klassenbewegung. 1923. S. 39.

6 P. Andrei, Das Problem der Methode in der Soziologie. 1927. S. 9fT.

7 G. H. Bousquet, Essai cit. pag. i 5 g (Unterstreichungen von mir).