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Die drei Nationalökonomien : Geschichte und System der Lehre von der Wirtschaft / Werner Sombart
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sehenden Nationalökonomie richtiggeslellt haben. Diese Frage istaber zu verneinen. Gerade die bedeutendsten orthodoxen Nationalöko-nomen haben grundsätzlich die historische Betrachtung nicht ab-gelehnt, wenn sie sie vielleicht auch nicht selbst angewendet haben.Aber ist denn derWealth of Nation nicht ein durch und durchhistorisches Werk? Was verlangt man noch mehr an geschichtlichemMaterial als cs sich bei Malthus findet? Und haben die führendenMethodologen der orthodoxen Nationalökonomie die Relativität derForschungsergebnisse, ihre Gebundenheit an bestimmte geschichtlicheZustände der Wirtschaft nicht ausdrücklich anerkannt? So lesen wirbei Mill 8 :Die deduktive Gesellschaftswissenschaft wird keinen Lehr-satz aufstellen, der die Wirkung einer Ursache in einer universalenWeise behauptet, aber (but ist hier besser mitsondern, statt mitaber zu übersetzen. W. S.) sie wird uns lehren, den geeigneten Lehr-satz für die Umstände eines gegebenen Falles herzustellen. Sie wirdnicht die Gesetze der Gesellschaft im allgemeinen, sondern die Mittel(an die Hand) geben, um die Erscheinungen einer gegebenen Ge-sellschaft aus den besonderen Elementen der Daten dieserGesellschaft zu bestimmen. Ja selbst die Grenznutzler trifftder Vorwurf, unhistorisch zu sein, nicht. Menger widmet in seinenUntersuchungen das ganze zweite Buch dem Thema:Über denhistorischen Gesichtspunkt der Forschung in der Politischen Öko-nomie . Er erkennt ausdrücklich an, daß jedenfalls für die reali-stische Forschung, dieempirische Gesetze suche, die Entwicklungder wb'tschaftlichen Erscheinungen einenunleugbaren Einflußhabe: es ist klar,daß empirische Gesetze, welche für bestimmteStadien der Existenz der bezüglichen Phänomene festgestellt wurden,nicht notwendig für alle Phasen der Entwicklung ihre Geltung be-haupten 9 . Dafür werden Belege aus den Naturwissenschaftenbeigebracht.Historische Betrachtungsweise und naturwissenschaft-liches Denken schließen sich eben keineswegs aus. Aber selbst fürdieexakte Forschung soll der historische Wandel nicht ohne Be-lang sein:Die exakten Wissenschaften ignorieren... ebensowenig dieTatsache der Entwicklung der Phänomene als das Postulat einer

8 J. St. Mill, Logik. Book VI. Ch. 9.

9 C. Menger, Untersuchungen usw. S. 107.