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Die drei Nationalökonomien : Geschichte und System der Lehre von der Wirtschaft / Werner Sombart
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listisch oder traditionalistisch gestaltet, ist usw. Zu ihm gehört fernerder Verkehr mit den Arbeitern und der Kundschaft, der sich nachRegeln abspielt, die aus einer dem Wirtschaftssubjekle gesetztenOrdnung folgen (Vertragsabschlüsse usw.). Zu ihm gehört aber auchder ganze Prozeß des Baumwollspinnens selbst: Herrichtung des Roh-stoffes, Bearbeitung des Rohstoffes mittels einer Maschinerie odermittels Werkzeugen, Verpackung und Versendung des Rohstoffes oderdes fertigen Erzeugnisses usw.

Es ist ersichtlich, daß bei dieser Auffassung die Gegenüberstellungvon W irtschaf t und Technik keinen Sinn hat. Wirtschaft undTecli-nik liegen auf zwei verschiedenen Ebenen. Wirtschaft ist ein Kultur-bereich, Technik eine Verfahrensweise. Es gibt keinen mundus tech-nicus neben einem mundus oeconomicus. Wer von Wirtschaft undTechnik als einem Gegensatzpaar spricht, gebraucht das Wort Wirt-schaft in einem anderen Sinn, als es hier geschieht. Nämlich im Sinneeines bestimmten Verhaltens. In dieser Bedeutung kann man in derTat den Begriff Wirtschaft dem Begriff Technik gegenüberstellen:es gibt ein spezifischwirtschaftliches und ein spezifischtechni-sches Verhalten, die man (nach der treffenden Formulierung vonAndreas Voigt) als einerseits Zweckwahl bei gegebenen Mitteln,andererseits Mittelwahl bei gegebenem Zweck bezeichnen kann. Nurmuß man sich bewußt sein, daß diese verschiedene Einstellung aufjedem Gebiete menschlichen Handelns möglich ist. Der zum TodeVerurteilte in Dostojewskis Roman, der sich überlegt, wie er amzweckmäßigsten die letzten ihm noch verbleibenden fünf Minutenseines Lebens ausfüllen soll, denkt und handeltwirtschaftlich.Die Lebensgeschichte Casanovas hingegen ist in ihren wesentlichenBestandteilen ein Traktat der (Liebes-)Technik: vgl. das im erstenKapitel Gesagte.

Aber diese Grundidee reicht noch nicht hin, um eine Kultur-wissenschaft zu begründen, das heißt aber, wie wir festgestellthaben: ihr ein System zu geben. Dazu bedarf es dessen, was ich

2. Die Gestaltidee

nenne, deren Wesen und Aufgabe wir uns durch folgende Erwä-gungen klarmachen können.