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Die drei Nationalökonomien : Geschichte und System der Lehre von der Wirtschaft / Werner Sombart
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ständige Verwendung unterscheiden. Es sind in der heute üblichenSprechweiseFiktionen, Als-ob-Konstruktionen.

Solche Arbeitsideen bieten sich uns in größerer Menge dar undsie gestatten eine gewisse subjektive Willkür in der Auswahl. Siestehen zueinander in verschiedenem Verhältnisse: teilweise ergänzensie sich, teilweise schließen sie sich aus.

Ich gebe im folgenden einen kurzen Überblick über die wichtigstenArbeitsideen. Dabei wird der Leser alsobald feststellen können, daßdie einzelnen Begriffe, die ich ihm vorführen werde, ihm durchausgeläufig sind, und daß er sich nur gewöhnen muß, sie als Arbeits-ideen zu erkennen und gellen zu lassen. Die neue Verwendung dieserDenkkategorien wird ihm anfangs vielleicht einige Schwierigkeiten - bereiten.

i.

Ich unterscheide folgende Arten von Arbeilsideen:

a) Ideen zur Erfassung der Zuständigkeit des Wirtschafts-lebens, man könnte vielleicht auch sagen: zur zweckmäßigen An-ordnung der Phänomene in der Zeit.

Seit J. Stuart Mill ist ein sehr beliebtes Schema, in das man dennationalökonomischen Stoff einordnet, die Unterscheidung vonStatik und Dynamik des Wirtschaftslebens. Vor allem die amerika-nischen Nationalökonomen, wie J. B. Clark 71 , arbeiten mit Vorliebemit ihnen, und was den Amerikanern in Europa Gefolgschaft leistet,wie z. B. Jos. Schumpeter. Es ist zweifellos das dürftigste Schema,da es nur die ziemlich nichtssagenden Kategorien:so sein undanders werden zum Inhalte hat. Aber seine Verwendung ist statt-haft, vorausgesetzt, daß sie in methodisch einwandfreier Weise ge-schieht, was leider keineswegs immer der Fall ist. Allzuhäufig nämlichwerden die Arbeitsideen: statischer und dynamischer Zustand ver-mengt mit den Realbegriffen Beharrung und Veränderung, und derAutor spricht von der Statik und meint Traditionalismus, von Dyna-mik und meint Progressismus. Wenn ich das Schema als solches,d. h. als Arbeitsidee verwenden will, muß ich mir stets bewußtbleiben, daß ihm keinerlei Erfahrungstatsache entspricht,daß ich vielmehr einen Zustand mag er einem traditionalistischen

71 J. B. Clark, The distribulion of wealth. 1899; idem, Essentials of Econo-mics. Beide Bücher sind öfters aufgelegt. ,