Wirtschaftsleben angehören oder einem progressistischen — be-trachte ,,als ob“ er statisch oder „als ob“ er dynamisch sei. Durchauseinwandfrei ist die Art, wie Mill sich dieses Schemas bedient.
Der zweite Umstand, der beachtet werden muß, wenn mansich mit Vorteil des Schemas: statisch — dynamisch bedienen will, istdieser: daß die Begriffe Statik und Dynamik nur dann Sinn haben,wenn sie mit Bezug auf ein bestimmtes Wirtschaftssystem,also im Rahmen unserer Gestaltidee, verwendet werden. Es ist eingründlicher Irrtum, den die heutigen sogenannten „Theoretiker“ derNationalökonomie sehr oft begehen — auch bei dem klugen Clarklindet er sich —, daß sie meinen: zu inhaltlicher Bestimmung einesWirtschaftszustandes genüge es, ihn als „statisch“ oder „dynamisch“zu bezeichnen. Es spielt hier die oben gerügte Verwechslung vonVernunftbegriff und Erfahrungsbegriff hinein. Jene Autoren solltensich doch darüber klar- sein, daß „eine dynamische Wirtschaftsgesell-schaft“ („a dynamical economic society“ bei Clark), das heißt eine„Wirlschaftsgesellschaft“ mit: zunehmender Bevölkerung, zunehmen-dem Kapital, technischem Fortschritt, Neuorganisation, Neugestaltungdes Bedarfs ganz und gar nicht wesentlich gekennzeichnet ist. DieseMerkmale kann ebensogut eine „kapitalistische“ wie eine „sozialisti-sche“ Gesellschaft aufweisen, und offenbar trägt sie im einen und imanderen Falle ein grundverschiedenes Gepräge. Erst wenn ich weiß,um w'as für ein Wirtschaftssystem es sich handelt, fasse ichProbleme einer ganz bestimmten Prägung, wenn ich dieses Wirt-schaftssystem je im Zustand der Ruhe oder der Veränderung be-trachte.
Verwandt mit den eben besprochenen — aber sehr viel tiefer —sind die Ideen der Aktualität und Potenzialität, wie man diebeiden Auffassungen nennen könnte, nach denen das Wirtschafts-leben entweder als eine Summe schon gezeitigter Ergebnisse oder alsein Inbegriff von Möglichkeiten betrachtet wird: der „Reichtum“in actu als Gütermenge oder in potentia als produktive Kräfte. Ichhabe an einer anderen Stelle 72 dargetan, daß sich durch diese ver-schiedene Einstellung die Nationalökonomie der Klassiker und der
72 Siehe meinen „Modernen Kapitalismus“. litt. II. S. y 1 311’.