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Die drei Nationalökonomien : Geschichte und System der Lehre von der Wirtschaft / Werner Sombart
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lait. Hat die Auseinandersetzung einen solchen Kern, so gleicht sieder Note einer Bank, die Kontanten in Kasse hat: jede andere, ausbloßen Begriffskombinationen entsprungene hingegen ist wie die Noteeiner Bank, die zur Sicherheit -wieder nur andere, verpflichtende Pa-piere hinterlegt hat. (Dieses wundervolle Bild könnte vielleicht aufdie ganze nationalökonomische Schriftstellerei übertragen werden, undman könnte hier alleanschaulichen Denker als dieMetallistenund alleabstrakten [so besser alsrationale] Denker als dieChartalisten im übertragenen Sinne kennzeichnen. Ich glaube inder Tat, daß hier ein tieferer Einteilungsgrund für das nationalöko-nomische Schrifttum gefunden wäre, als irgendeineGeschichte dernationalökonomischen Literatm ihn enthält.)

Das Gesagte, ich wiederhole es, trifft für Natur- wie Geistwissen-schaft gleichermaßen zu: aus den Lebensbeschreibungen Newtons,Galileis und anderer großer Naturforscher wissen wir, daß ihnenzunächst immer dasGanze der Erkenntnis vor Augen gestandenhat, ehe sie an die analytische Behandlung und Verarbeitung desStoffes gingen. Wenn jetzt die Ilusserl-Schule mit der Methodeihresideirenden Heraushebens des wandellos Geltenden in denDingen dieIntuition wieder stärker betont, so bedeutet das auchnichts anderes als die Wiedereinsetzung eines durch die übertriebeneAbstraktheit, namentlich des Marburger Denkens, vernachlässigten, ichmöchte sagen: selbstverständlichen Verfahrens in sein Recht.

Und trotzdem ist der Zorn Max Webers , mit dem er den Mode-Anschauungs-Denkern sein berühmtes Wort entgegenschleuderte:Wer Anschauung will, soll ins Kino gehen durchaus berechtigt.Es richtet sich gegen diejenigen, die mit dem BegriffeAnschau-ung Mißbrauch getrieben haben, die insonderheit das ErkennenalsNur-Anschauung aufgefaßt haben. Davon kann und darfnatürlich keine Rede sein. Wir müssen uns vielmehr immer bewußtbleiben, daß wissenschaftliche Erkenntnis außer der Anschauungimmer auch derRatio bedarf, die ihr die kategoriale Fassung desGeschauten bereitstellt, ohne die es kein anweisbares und vorallem kein durch die Sprache übertragbares Wissen gibt. Und diesekategoriale Fassung, diese Einspannung in ein Begriffssystem, gehörtnatürlich zu demVerstehen genau so notwendig, wie zu jeder