wie überhaupt in keiner Ganzheit“ 33 ; an Stelle der Kausalität soll„Umschichtung“, Umgliederung der Mittel treten. So richtig das fürdie Sphäre des Geistes gedacht ist, so falsch ist es für die Sphäre desLebens, in der sich alle Kultur und somit auch alle Wirtschaft be-wegt. Für diese gilt aber gerade die Kategorie der Kausalität. Wirwissen heute doch wohl, daß diese aus dem Urerlebnis des Wirkensüberhaupt erst entstanden ist, das dann erst auf die Vorgänge inder Natur übertragen wurde. Ich will hier Scheler sprechen lassen,der in einer seiner letzten und tiefsten Schriften diesen Sachverhaltmit mustergültiger Klarheit dargelegt hat 31 : „Auch der Kausalbegriffhat seinen Ursprung in der Auswirkung des Vitalzentrums einesLebewesens auf die Umwelt. Daß ich ein Projekt als durch michund mein Tun nach einiger Zeit verwirklicht vorfinde, darin habeich das Urphänomen, an dem der Kern der Kausalkategorie, das.Wirken' reflexiv erfaßbar ist... Die Evidenz, .dies Sosein ist realgeworden durch mich', ist völlig unabhängig von der Erkenntnis,wie solches stattfinde und erfolge; sie ist ebenso sonnenklar alsdas Wie dunkel ist. Auch liegt diese Urerfahrung viel früher alsalle Scheidung, die ich an mir selbst zwischen Leib, Seele, Körperu. dgl. vornehme. Sie ist auch unabhängig von allem Ichbewußt-sein und Icherleben. Auch in der ekstatischen Triebhandlung, beider der Triebimpuls ohne vorhergehende Ichbeziehung in Verwirk-lichung sich umsetzt, ist ein .Beispiel' für dieses .Wirken' gegeben.
Ist das Urerlebnis der Kausalität an solchem Beispiel gegeben undwird in Reflexion auf das Erlebnis die Kausalkategorie erfaßt, sowird eben diese Kategorie auch auf das Verhalten der Umweltdingeuntereinander übertragen.“
Dieser letzte Schritt führt in die Metaphysik hinüber, denn dieAnnahme eines ursächlichen Zusammenhangs in den Naturdingendeutet etwas in die Natur hinein, enthält eine Behauptung, die nicht
93 Othm. Spann, Kategorienlehre. 1924. S. 6ff. Vgl. die AuseinandersetzungSpanns mit Max Adler auf dem 5. Deutschen Soziologentag in Wien 1926 undseinen Nachtrag in den Kölner Vierteljahrsheften für Soziologie 1927.
94 Max Scheler, Idealismus und Realismus im Philosophischen Anzeiger.2, 319/20. Vgl. auch die schönen Schriften von Julius Schultz, Psychologieder Axiome, 1899, ur >d Die Bilder der Materie, 1905, und jetzt wiederM. Heidegger , Sein und Zeit. 2. Aufl. 1926.