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Die drei Nationalökonomien : Geschichte und System der Lehre von der Wirtschaft / Werner Sombart
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bewiesen werden kann. Dagegen ist im Kulturgeschehen dieKausalität evidente Realität, die ich an jedem Menschenwerk nach-prüfen kann.

Da diese Ansicht Spanns von der Unzulässigkeit der Kausalitäts-kategorie in den Geistwissenschaften, wie alle Lehren dieses Schrift-stellers, weite Verbreitung, namentlich in der Jugend, gefunden hat,so will ich mit einigen Worten sagen, auf welche Gründe sie mirzurückzugehen scheint.

Zunächst wird man bei Spann, der sich ja gern einenRomantikernennen hört, jene instinktive Abneigung gegen jede kausal-genetischeBetrachtungsweise vermuten dürfen, die der Romantik immer eigengewesen ist. Diese eigentümliche Geisteshallung hat mit der bei ihmgewohnten Schärfe Carl Schmitt herausgearbeitet, wenn erschreibt 95 :Wenn etwas die Romantik total definiert, so ist es derMangel jeglicher Beziehung zu einer causa. Sie wehrt sich nichtnur gegen die absolute Kausalität, das heißt gegen ein absolut be-rechenbares Verhältnis von Ursache und Wirkung, wie es die wissen-schaftliche Mechanik voraussetzen muß: auch die in den Wissen-schaften vom organischen Leben obwaltende Beziehung von Reiz undWirkung bleibt immer noch in einem gewissen Rahmen berechen-bar und adäquat. In der Bedeutung von ,Sache' hat das Wort causaauch noch den Sinn einer teleologischen oder normativen Bindungund eines geistigen oder moralischen Zwanges, der eine adäquate Be-ziehung kennt. Ein absolut inadäquates Verhältnis besteht dagegenzwischen occasio und Wirkung; es ist da jede konkrete Einzelheitoccasio eines unberechenbaren Effekts sein kann, etwa der Anblickeiner Apfelsine für Mozart der Anlaß, das Duett ,1a ci darem lamano' zu komponieren völlig inkommensurabel, jeder Sachlich-keit sich entziehend, a-rational, die Relation des Phantastischen ..."

Aber auch wenn man die besondere romantische GeisteshaltungSpanns nicht in Rechnung ziehen will, lassen sich genügende Gründeaufweisen, die ihn zu seinem Irrtum geführt haben.

Da scheint mir vor allem der Umstand bedeutsam, daß SpannKausalität mit mechanischer (äußerer) Kausalität gleichsetzt. Wenn

*' Carl Sclimitl, Politische Romantik. 2. Aufi. ig. 25 . S. 120/21.