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Die drei Nationalökonomien : Geschichte und System der Lehre von der Wirtschaft / Werner Sombart
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Endlich können wir als Grund gleichförmiger Motivation

3. die Motivbeeinflussung geltend machen. Ich denke dabeian die Tatsache, daß der menschliche Wille durch äußere Umständein eine bestimmte Richtung gezwungen werden kann:

Wenn bestimmte Ziele erreicht werden sollen, müssen bestimmteWege beschritten werden eine bestimmteLage vorausgesetzt.Wohl gemerkt: wir befinden uns noch im Bereich derPotentia,es handelt sich noch nicht um das Bestimmen der Ausführung desHandelns durch objektive Bedingungen, sondern um die Willens-bildung selbst und die Einflüsse der äußeren Umstände auf diese:warum ich in bestimmter Lage einen ganz bestimmten Entschlußfassen muß. Natürlich besteht niemals ein Zwang, daß ich ihnfasse. Der Zwang bezieht sich nur auf den Inhalt des Motivs.KeinMensch muß müssen dabei bleibt es. Nur: wenn er etwas will,muß er unter Umständen etwas Bestimmtes wollen. Es ist sehrwichtig, daß man sich die Relativität desMüssens, die hier obwaltet,deutlich zum Bewußtsein bringt:Um nicht von dem erreichtenResultat ausgeschlossen zu werden, um nicht die Früchte der Zivili-sation einzubüßen, sind die Menschen gezwungen, in dem Moment,da die Art ihres Verkehrs nicht mehr den erworbenen Produktiv-kräften entspricht, alle ihre überkommenen sozialen Formen zuändern, schreibt einmal Marx an Annenkoff. Also: ein absoluterZwang besteht natürlich nicht, nur wenn die Menschen bestimmteWerte nicht preisgeben wollen, müssen sie in einer bestimmten Weisehandeln (was übrigens auch noch ein falsches Urteil sein kann).

Immerhin: eine relative Nötigung waltet hier ob und liefert unsabermals die Erklärung für die Gleichförmigkeit der Motivation,denn mm liegen ja die Verhältnisse klar zutage: gleiche äußereUmstände führen zu gleichen Entschlüssen. Solche äußerenUmstände, die hier in Betracht kommen, gibt es nun eine große An-zahl, und ich kann nur einige wichtige Beispiele anführen, an denenwir das Gesagte uns verdeutlichen können.

Hier erscheint wieder in vorderster Reihe das Wirtschaftssystemselbst als motivbestimmende Tatsache. Diesmal nicht zwar durch denGeist, den es verbreitet, sondern durch die Struktur seines Gefüges.Die kapitalistische Wirtschaft heischt, um ihrer selbst willen, daß