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der Unternehmer die Gewinnerzielung zum Zwecke seiner Unter-nehmung mache, er mag persönliche Motive haben, welche er wolle:immer muß er auch, welche Ziele er sonst auch verfolgen möge,wollen, daß die Unternehmung rentiert, das heißt einen Gewinn ab-wirft. Ich habe das die Objektivierung des Gewinnstrebens genanntund ausführlich darüber an anderem Orte gesprochen 133 . Durch dasWirtschaftssystem wird auch die Stellung bestimmt, die die einzelneWirtschaft zu anderen Wirtschaften einnimmt, und diese kann vonstarkem Einfluß auf die Motivation des Wirtschaftssubjektes werden.Wenn etwa die freie Konkurrenz herrscht, so muß der Produzentseine Wirtschaft so einrichten, daß sie im Konkurrenzkämpfe ob-siegt. Er wird also seine Entschlüsse fassen müssen unter Berück-sichtigung aller Marktverhältnisse. Überall dort, wo die einzelneWirtschaft den „Gesetzen des Marktes“ unterworfen ist, das heißt,wo sie im Preise durch eine andere Wirtschaft unterboten werdenoder, wenn die Konkurrenz ausgeschaltet ist, wie im Falle des Mono-pols, doch wenigstens durch zu hohe Preise die Kundschaft verlierenkann, ist sie genötigt, ihr Verhalten den Anforderungen der billigstenPreisbemessung gemäß zu gestalten. Diese Markthörigkeit, wie wirdiesen Zustand der Abhängigkeit von der Preisbildung nennenkönnen, bedeutet nun aber die stärkste Beschränkung ihrer Willkürund zwingt die Gleichförmigkeit des Gebarens von außen den ein-zelnen Wirtschaften auf.
Auch der Stand der Technik übt Einfluß auf die Motivation desWirtschaftssubjektes: dieses wird sich ganz andere Aufgaben stellen,wenn die Technik hochentwickelt, als wenn sie unentwickelt ist. Unddie Eigenart der Technik bestimmt die Eigenart der Zwecksetzung:die Erfindung des Koksverfahrens löst alle Pläne aus, die sich aufUnternehmungen zur Ausbeutung der Steinkohle beziehen, die Er-findung des Explosionsmotors, der drahtlosen Telegraphie, desRadios, des Kinos usw. läßt mit einem Male Tausende gleichförmigerBetriebe entstehen, die diese Erfindung auszunützen bestimmt sind.Tausende und Abertausende von Unternehmern wollen plötzlich das-selbe, und Millionen von Arbeitern müssen dasselbe wie ihre Brot-geber wollen.
133 Siehe meinen „Modernen Kapitalismus", ßd. lil. S. 3^.