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Die drei Nationalökonomien : Geschichte und System der Lehre von der Wirtschaft / Werner Sombart
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sprechung von Sein und Denken liegt das Geheimnis der Frucht-barkeit aller Theorien auf geistwissenschaftlichem Gebiete.

Wenn man, was man gewiß nicht braucht, die Mahnung, mit denender Herr die Erzengel entläßt, nicht noininalistisch-kritizistisch-tran-szendental deutet, so enthält sie den schönsten Ausdruck, den wirfinden können, um das Wesen der Theorie zu kennzeichnen:

Das Werdende, das ewig wirkt und lebt,

Umfaß euch mit der Liebe holden Schranken,

Und was in schwankender Erscheinung schwebt,

Befestiget mit dauernden Gedanken.

Da die in unserer Wissenschaft verwendeten Begriffe, wie wirwissen (siehe das i k- Kapitel) fast durchgängig Wesensbegriffe sind,so ist unsere Theorie, die wir in und aus diesen Begriffen bilden, inihrem Kem Wesensdenken, wie es jetzt die Phänomenologistennennen 15 .

Was Theorie sei und bedeutet, werden wir noch besser verstehen,wenn wir die verschiedenen Teilaufgaben, die sie zu erfüllen hat, unsklarzumachen versuchen. Nach den im vorigen Abschnitt entwickeltenGrundsätzen wird eine vollständige Theorie abzielen auf:

I. die Schaffung eines Gesamtsystems der Wissenschaft;

TI. die Einfügung eines entsprechenden Begriffssystems in dasSystem der Wissenschaft;

III. die Herausarbeitung einer Gesetzeslehre im weiteren Sinne,die wir besser bezeichnen können als

die Lehre von den Denkbarkeiten. Diese umfaßt aber drei Be-standteile, nämlich:

1. die Lehre von den Möglichkeiten;

2 . die Lehre von den Wahrscheinlichkeiten;

3. die Lehre von den Notwendigkeiten,

womit folgendes gemeint ist:

i. die Lehre von den Möglichkeiten gibt eine Übersicht überdie denkbaren Möglichkeiten eines Sachverhaltes. Diese Übersicht

16 Vgl. außer den Husserlschen Schriften z. B. noch Ileyer, Einführungin die Phänomenologie. 1935. S. 398f. u. ö.