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Die drei Nationalökonomien : Geschichte und System der Lehre von der Wirtschaft / Werner Sombart
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keiten und Wahrscheinlichkeiten, die immer raum- und zeitlos sind,die Empirie Wirklichkeiten, die immer in Raum und Zeit sind. Nunist aber auf dem Gebiete der Nationalökonomie eine Verwirrung derGeister dadurch herbeigeführt worden, daß man Generalgeschichteund Theorie miteinander verwechselt hat. Ein beliebter Gegenstanddes Streites ist meinModerner Kapitalismus geworden. Währenddie einen, und diese sind wohl in der Mehrzahl, da sich unter ihnenalle sogenanntentheoretischen Nationalökonomen befinden, ihn fürein Geschichtswerk erklären die Communis opinio stellen hier dieBuchhändler dar, die ihn in ihren Katalogen und auf ihren Regalenstets unter dem Rubrum:Wirtschaftsgeschichte führen, wehrensich die sogenanntenHistoriker mit Händen und Füßen dagegen,ihn als solches anzuerkennen. Das könnte nun sehr wohl nur derAusdruck der Tatsache sein, daß mein Buch ein schlechtes Buchist, das von den theoretischen ebenso wie von den historischen Sach-verständigen als den Anforderungen ihresFaches nicht genügendeLeistung abgelehnt wird. Die Meinungsverschiedenheit kann aberihren Grund auch darin haben, daß die Theoretiker nicht wissen,was Theorie, die Historiker nicht wissen, was Geschichte ist Ichvermute fast, daß hier die Erklärung für die sich widersprechendeEinordnung meines Werkes (über dessen Qualität natürlich dadurchnichts entschieden wird) zu suchen ist. Der wirkliche Sachverhalt istdieser: derModerne Kapitalismus enthält sowohl Theorie alsGeschichte. Er ist Theorie, insoweit er die Sinnzusammenhänge inder europäisch-amerikanischen Wirtschaft in ihrer raum- und zeit-losen Gestalt der Untersuchung unterzieht, Empirie aber, sofern ertatsächliches Geschehen zur Darstellung bringt. Und das tut er dochganz gewiß. Jede Zahl, die das Werk enthält, und ich glaube, esenthält deren eine ganze Menge, weist auf seinen geschichtlichenInhalt hin. Freilich ist es eine Wirtschaftsgeschichte eigener Art, diedarin vorgetragen wird und die denHistorikern ebensowenig ver-traut ist wie denTheoretikern die darin gelehrte Theorie. Währendich über die Theorie im allgemeinen und die Besonderheit meinerTheorie bereits Gelegenheit genommen habe, mich auszulassen (sieheS. 297fr.), muß ich hier noch die Frage nach der Besonderheitmeiner Wirtschaftsgeschichte erledigen.