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der größte Amtseifer ersetzt die fehlende Begabung nicht. Sie istGnade. Und Gnade ist selten.
Dagegen werden wir uns mit den beiden anderen Zweigen der Lehrevon der Wirtschaft, deren Entwicklung bis zu einem gewissen Gradein unsere Hand gegeben ist, etwas eingehender zu beschäftigen haben:mit der Wirtschaftswissenschaft und Wirtschaftskunst-lehre.
Das erste, worauf sich hier unsere Aufmerksamkeit richten muß,ist das Verhältnis der beiden zueinander und die grundsätzlicheVerschiedenheit des Verhältnisses von Wissenschaft und Kunstlehrezueinander in der Natur- und in der Kulturerkcnntnis.
Die Naturwissenschaften, wenigstens diejenigen, deren Ergeb-nisse unmittelbar praktisch verwertet werden, also im wesentlichenPhysik und Chemie, stellen, wie wir sahen, Regeln auf (sogenannteGesetze), die für längere Zeit und für alle Fälle ihres Bereichs Gül-tigkeit haben.
Diese „Regeln“, die die Naturwissenschaft aufstellt, wendet dieKunstlehre oder Technologie, die sich auf die Bearbeitung undVerarbeitung von Naturdingen bezieht, an, seit in ihr das sogenanntewissenschaftliche Verfahren 33 zur Anerkenntnis gelangt ist. Dasheißt: sie ordnet den einzelnen Fall unter die Regel, was sie deshalbtun kann, weil die zu behandelnden Stoffe und Kräfte immer die-selben bleiben. Wenn die Wissenschaft entdeckt hat, daß im Stein-kohlenteer Farbstoffe enthalten sind, so erfindet die Farbenchemieein Verfahren, auf Grund dessen beliebige Mengen Farben aus Stein-kohlenteer hergestellt werden können. Die Kunstlehre im Bereicheder Natur zieht aber begreiflicherweise den praktischen Nutzen ausder Anhäufung von Regeln, die die Naturwissenschaft ihr liefert.Sie wird infolgedessen immer reicher: auch sie macht „Fortschritte“,wie die durch sie bediente Technik mit ihr. Der Sinn der Natur-wissenschaften in ihrer modernen Gestalt ist letzten Endes der: derTechnologie Regeln zu liefern, damit die Technik Fortschrittemachen kann. Ohne praktische Anwendung hätte diese Art Natur-
33 Siehe darüber meinen „Hochkapitalismus" S. 8off., inff., 8()of.