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Technik und Wirtschaft : Vortrag, gehalten in der Gehe-Stiftung zu Dresden am 16. Februar 1901 / von Werner Sombart
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die Motivierung technischer Erfindungen nennen können. DieWirtschaft entscheidet nämlich auch darüber, welches denn dasEntgelt für die Erfindungen, mit andern Worten für die För-derung des technischen Fortschritts ist. Ein Wirtschaftsleben, indem wie im frühen Mittelalter beispielsweise sich alle Gewerbeund Techniken in den Klöstern zusammenfanden, hatte als Entgeltfür die weitere Förderung der Technik nichts als die Ästimationder anderen Klosterbrüder. Das moderne Wirtschaftsleben hatdagegen materielle Interessen als Borspann geschaffen für dieFörderung technischen Sinnes, technischer Erfindungsgabe. Esmuß ausgesprochen werden, meine Herren, daß die überwiegendeMehrzahl unserer technischen Erfindungen unter dem Gesichts-punkte ihrer möglichen Verwertung in Geld erfolgt. Manbraucht nicht gerade an die Edison, Siemens und Hofmannszu deuken, man muß sich aber der ungeheueren Summe vonkleinen Erfindern erinnern, die tagtäglich neue Farbemischungen,täglich neue Veränderungen an den Arbeitsmaschinen, irgendwelcher Vorrichtungen an den Dampfmaschinen vornehmen, durchdie erst die unausgesetzte technische Vervollkommnung zur Wirk-lichkeit wird.

Ich las heute in einem Schaufenster den Titel einesBuches, das mir die Richtigkeit dessen bestätigte, was ich mirhier zu sagen vorgenommen hatte:Aufgaben für Erfinder.Eine Sammlung von Erfindungsproblemen, deren richtigeLösung eine lohnende Verwertung verspricht." Wenn nun aberdieser Vorspann für die Technik gewonnen ist, so ist das eineEigenart unserer wirtschaftlichen Organisation. Wiederum istdamit eine auch für die praktische Beurteilung unserer wirt-schaftlichen Umgestaltung außerordentlich wichtige Frage be-rührt, die Frage, in welchem Umfange die technische Ent-wickelung ein gleiches Tempo beibehalten könnte, wenn

Sombart , Technik und Wirtschaft. 2